Eine einzähnige Säge wird uns ums Jahr 1100 von einem Mönch Namens Theophilus beschrieben, der ein umfangreiches Buch mit Anweisungen für die Herstellung aller möglichen kirchlichen Geräte verfaßte. In dem Abschnitt über das Tauschieren beschreibt Theophilus eine Maschine, die ich hier mit aller Vorsicht rekonstruiert habe. Beim Tauschieren ritzt man das zu verzierende Eisen nach einer aufgetragenen Zeichnung ein und hämmert in dieser Ritz silberne oder goldene Fäden. Der Ritz muß möglichst gleichmäßig werden, sonst wird die Verzierung unansehnlich.

Theophilus sagt[25]:.... ».... Wenn du also das Eisen bearbeitet und daraus Sporen oder andere Gerätschaften .... gemacht hast und sie mit Gold oder Silber schmücken willst, so nimm reinstes Silber und mache es durch Hämmern sehr dünn.« Theophilus spricht also hier von der Verzierung durch Tauschieren. Man muß zur Anbringung der dünnen Silberstreifen Einschnitte in das Eisen machen. Dies soll mittels folgender Maschine geschehen: »Dann habe eine Maschine aus Eichenholz, einen Fuß im Durchmesser und gedrechselt. Sie sei am Umfang dünn und in der Mitte auf jeder Seite dicker, hier sei ihr ein anderes gekrümmtes Holz, daran sie sich drehen läßt, durchgesteckt. Diesem sei an einem Ende ein anderes gebogenes Stück Holz angefügt, mit welchem (das Ganze) herum bewegt wird. Hast du dieses Rad nun zwischen zwei Säulen gestellt, so mache an dem Umfang desselben Einschnitte gleich Stufen, die nach rückwärts gekehrt sind. Die Säulen, zwischen denen das Rad liegt, seien fest und der Breite nach am Gestell befestigt, so daß das gekrümmte Holz zur Rechten stehe. Noch befinde sich zur Linken vorn neben dem Rad eine Säule, an der ein dünnes Holz angebracht sei, und zwar so, daß es auf das Rad zu liegen komme, und es habe an der Spitze ein dünnes Stück Stahl, so lang und breit, wie der Nagel eines Daumens. Dies (Stück Stahl sei) in einem Loch fest eingefügt und sehr scharf, sodaß bei der Umdrehung des Rades, während das Holz immer von Stufe zu Stufe fällt, der so in zuckende Bewegung gebrachte Stahl, was in seine Nähe gebracht wird, schneidet (incidat). Wenn du nun einen Sporn.... hast, so stelle ihn auf brennende Kohlen, bis er schwarz wird, wenn er kalt wurde, halte ihn in der Linken und drehe das Rad mit der Rechten, nähere ihn dem Stahl, schneide mit Sorgfalt überall....« Unklar ist die Textstelle von Theophilus nur dort, wo er zum zweiten Mal von einem gekrümmten Holz spricht. Mindestens ist die zweite Krümmung nicht notwendig, und ich habe sie deshalb in der Rekonstruktion durch einen geraden Kurbelgriff ersetzt.

Rekonstruktion einer einzähnigen Säge, die man auch als Meißelmaschine ansprechen kann. Nach der Beschreibung von Theophilus, etwa aus dem Jahr 1100.

Selbsttätig arbeitendes Sägewerk mit Wasserradbetrieb. Reiseskizze um 1245.

Ein selbsttätig arbeitendes Sägewerk mit Wasserkraft wird von dem um 1245 wirkenden französischen Ingenieur Wilars entworfen (unten). Bei der Skizze steht nur vermerkt: »Auf diese Art macht man eine Säge, um selbsttätig zu sägen.« Um die Skizze besser verständlich zu machen, habe ich Buchstaben eingefügt: a stellt den Bach dar, der das unterschlägige Wasserrad b treibt, auf dessen Wellbaum die vier Daumen c sitzen. Diese drücken die Hebel d und mit ihnen die Säge e nieder, die durch den federnden Baum f wieder hochgezogen wird, g ist der in den Führungen h gleitende Balken, den das Zackenrad i gegen die Säge vorschiebt.

Symbolische Säge, mit der ein Herz zersägt wird. Stickerei um 1350–1400.