Säge im Wappen der Nürnberger Säger, Malerei um 1680.
Die Werkstatt eines Sägemachers bildet im Jahre 1698 Christoff Weigel in einer Zusammenstellung der wichtigsten Handwerke ab[67]. Die Verse bei dem Bild stammen von dem berühmten Kanzelredner Abraham a Sancta Clara, der wegen seiner drastischen Vergleiche bekannt war. Wir sehen, wie der »Eberschmied« dabei ist, die Zähne einer großen Säge einzufeilen. Neben ihm liegen eigentümlich geformte, lange Sägeblätter, Meißel und Bohrer; denn außer Sägen macht der Eberschmied besondere Bohrer. An der Wand hängen Rahmensägen und eine Metallsäge mit Griff. Außen am Fensterkreuz hat der Meister eine Säge ausgehangen, um Käufer anzulocken. Eigentliche Auslagen, Schaufenster, gab es damals bei Handwerkern nicht immer.
Bei der Beschreibung der Arbeiten des Messingbrenners, des heutigen Gelbgießers, erwähnt Weigel sogar Gattersägen für Metall: »so gießen sie (Messing) zu großen Tafeln und Platten, welche nachgehends durch den Messing-Schneider oder Säger auf einem Werk-Tisch, gleich den Holtz-Schneide-Mühlen fest gemachet zu ein- zwei- auch wohl drey Finger breiten Schienen, Zainen oder Stäben zerschnitten oder gesäget werden«[68].
Der Eberschmied, Neberschmied oder Bohrerschmied, der auch Sägeblätter für Holz und Metall angefertigt. Kupferstich von 1698.
Schiller hat sich in »Wallensteins Lager« die ergötzlich polternde Redeweise des Abraham a Sancta Clara zum Vorbild für seinen Kapuzinerpater genommen. Hier ein Beispiel, wie Abraham in der Barockzeit beim »Säg-Müller« erbaulich schrieb: »Ich weiß eine Sau / die hat keine Augen / keinen Rüssel / keinen Kopff / keine Füße / und ist doch eine Sau / das ist wunderbarlich; Ich weiß eine Sau / die hat keine Haut / keine Börsten / kein Fleisch / kein Speck / ist doch eine Sau / das ist seltzsam; Ich weiß eine Sau / die lebt nicht / und frißt doch mehr als eine gantze Heerde Säu / das ist achtlich.« Dann erzählt er unmittelbar von allerhand Flüssen des Altertums und der neueren Zeit und sagt dann plötzlich: »Savus auf Deutsch die Sau / ein vornehmer Fluß in Sclavonien. Diese Sau hat kein Maul / lebt nicht / und frißt doch viel / da beist sie ein Stuck Acker hinweg / dort eine Reyh Wiesen / anderwärts ein große Gestätt / an einem Ort ein halbes Dorff / unterhalb eine gantze Au: Ey du grobe Sau!« Anfänglich sei diese Sau ganz klein, später aber werde es eine großmächtige Sau. So werde auch kein Mensch »auf einmal eine grobe Sau / eine unzüchtige Sau.« Also müsse man sich vor den kleinen Sünden hüten, wenn man nicht in die großen fallen wolle. Zu seiner Überschrift, dem Sägemüller, schwenkt Abraham nach dieser Betrachtung virtuos mit dem Satz: »Wann die Säg einmahl recht ankommt und das Wasser treibt / ists gewiß / daß es bey Vorigem bleibt.« Von da ab erzählt er alles mögliche über die Sägemühle, wo man sie anlegen soll, und was man drauf schneidet. Plötzlich schwenkt er wieder in geistliche Betrachtungen ab und schließt dann das Kapitel mit den Worten: »Der Säg-Müller gewohne sich gleich im Anfang zum Guten / so wird man von ihm sagen können / daß er allezeit bey demselben verbleiben wird«[69].
Die Sägen des Bleistiftmachers. Kupferstich von 1711.
Die Säge eines verschwundenen Handwerks ist auf [Seite 52] abgebildet. Sie ruht in einem Bügel zwischen Werktisch und Sitzbank des »Bleiweißschneiders.« Dieser Handwerker zerschnitt den Graphit — damals Bleiweiß genannt — zu feinen Stäbchen, die man in Holz faßte. Es ist also der Ahne unserer heutigen Bleistiftfabrikanten[70].