Säge in der Hand einer mit ihren eigenen Werkzeugen eingekleideten Wagnersfrau. Kolorierter Kupferstich um 1730.

Ums Jahr 1695 erschienen in Paris Abbildungen von Handwerkern, die im damaligen barocken Geschmack mit ihren eigenen Werkzeugen oder Fabrikaten bekleidet waren. Man fand an solchen Bildern Geschmack und es kamen bis etwa 1730 mehrere Serien solcher Kunstblätter »der mit ihren eigenen Arbeiten und Werckzeugen eingekleideten Künstlern, Handwerckern und Professionen« heraus. Hier ist auf [Seite 56] die Frau des Wagners dargestellt, die in der rechten Hand eine große Säge hält. Die Schnecken des Haares, die Puffärmel und die Krinoline sind aus Wagenrädern gebildet und rings um den Reifrock herum hängen alle möglichen Werkzeuge[74].

Laubsäge. Französischer Kupferstich von 1763.

Der Laubsägen-Bügel wird 1763 in dem gewaltigen französischen Werk abgebildet, das eine Reihe von Gelehrten, die Encyclopédisten, über alle die bis dahin unbeachtet gebliebenen Gebiete des menschlichen Wissens verfaßte. Sie wollten das zur menschlichen Tätigkeit Notwendige, bis in die kleinsten Einzelheiten wissenschaftlich ebenso sorgfältig behandeln, wie man seit Jahrhunderten die Einzelheiten der reinen Geisteswissenschaften behandelt hatte. So entstand unter dem Titel »Encyclopédie« ein Werk von 34 Foliobänden mit über 3000 großen Kupfertafeln. Jedes einzelne Gewerbe, jedes Handwerk wird sorgsam beschrieben und alle seine Maschinen und Werkzeuge werden bis in die Einzelheiten abgebildet. Hier sehen wir oben die Laubsäge samt der Spannvorrichtung. Sie wurde damals von den Schachtelmachern benutzt[75].

Die Rahmensäge des französischen Schachtelmachers hatte ums Jahr 1750 die auf [Seite 58] angegebene Form[75].

Der erste, der den später so überaus fruchtbar gewordenen Plan hatte, Papier aus Holz herzustellen, der Regensburger Prediger Jacob Christian Schäffer, erfand 1768 eine originelle Sägemaschine ([Seite 59]). Der alte Herr hatte wohl selbst ein Bedürfnis, sich zwischen den anstrengenden gelehrten Arbeiten Bewegung zu verschaffen. So ließ er sich von dem Regensburger Tischler Simmerding die hier abgebildete Maschine bauen, probierte sie aus und schrieb flugs ein Buch darüber. In einem großen, geschweiften und verzierten Gestell hängt an einem Pendel eine Rahmensäge. Legt man auf zwei Konsolen ein Stück Holz, dann kann man im Wohn- oder Arbeitszimmer »zur Leibesbewegung für Gelehrte und Kränkliche« nützlich Brennholz sägen[76].

Rahmensäge eines französischen Schachtelmachers. Kupferstich von 1763.

Die soeben auf [Seite 57] erwähnte Encyclopédie wurde von dem Berliner Gelehrten Johann Georg Krünitz für die deutschen Verhältnisse passend übersetzt und ergänzt. So entstand das größte bisher in Deutschland überhaupt erschienene, zusammenhängende Werk, ein Lexikon, das von A bis Z 242 Bände umfaßt. Im 10. Band dieses Riesenwerkes steht auch eine Nachricht von der Eissäge: »Um das Eis eines Grabens oder Flusses zu durchschneiden und zu öffnen, bedient man sich einer Maschine, entweder in Gestalt eines Pfluges, oder in Gestalt einer Säge, welche von Menschen in Bewegung gesetzt wird«[77].