Im 34. Band sagt Krünitz, daß man in der Geschützgießerei die angegossenen Trichter nach dem Erkalten »mit einer großen Säge, welche von 4 oder 5 Menschen an ihrem eisernen Bogen geführt wird« abschneide[78]. Hier wird also eine Bügelsäge zum Metallschneiden in recht beträchtlichen Abmessungen verwendet.

Wir hörten auf [Seite 38], daß der Nürnberger Mechaniker Lobsinger ums Jahr 1550 die Kreissäge zum Schneiden von Stein erfunden hatte. Die Kreissäge für Holz und Metall ist eine Erfindung von Samuel Bentham in Westminster. Er nahm am 23. April 1793 das britische Patent Nr. 1951. Der Antrieb sollte durch Dampfkraft erfolgen und die Beschreibung läßt, obwohl sie ohne Zeichnung eingereicht wurde, erkennen, daß ein kreisrundes, gezahntes Sägeblatt zwischen zwei Flanschen eingespannt, nach einer Richtung hin umläuft. Die Säge soll rohe Werkstücke, wie sie aus der Gießerei oder aus der Schmiede kommen mit geraden Kanten versehen. Die Auflage für das Werkstück läßt sich gegen die Säge vorschieben und hoch und tief verstellen. Die Sägeblätter sollen entweder aus Stahl oder aus Eisen mit aufgeschweißtem Stahlkranz bestehen. Größere Blätter werden aus einem eisernen Stammblatt mit angesetzten Ringausschnitten hergestellt[79].

Reich verzierte Sägemaschine, die im Zimmer zur Leibesbewegung benutzt wurde. Kupferstich von 1768.

In der Literatur ist die Angabe verbreitet, die Kreissägen seien die Erfindung eines Deutschen namens Gervinus. Trotz vieler Mühe habe ich nichts über einen Mann dieses Namens und über diese seine angebliche Erfindung feststellen können. Nach einer andern Lesart sollen die Kreissägen zum Zersägen von Eis im 18. Jahrhundert im Uralgebirge[80] verwendet worden sein. Mir erscheint diese Nachricht, obwohl keine Quelle dafür angegeben wird, glaubhaft, weil man im Ural auch frühzeitig rotierende Steinfräser benutzte[81].

Im Jahr 1799 ließ sich L. C. A. Albert in Paris die gezahnte Kreissäge als »scie sans fin« patentieren. Sie ist, wie wir unten erkennen, aus mehreren Segmenten zusammengesetzt[82]. Die Erfindung wurde alsbald auch in Deutschland bekannt gemacht[83].

Die französische Bezeichnung »Säge ohne Ende« hat oberflächliche Beobachter veranlaßt[84], die Albertsche Kreissäge für das zu halten, was der Franzose heute darunter versteht: für eine Bandsäge.

Im Jahre 1801 erfand Marc Isambard Brunel die Kronsäge, die aus einem zum Vollkreis gebogenen Sägeblatt besteht und mit der gezahnten Kante kreisförmige und bogenförmige Ausschnitte aus Holz macht[85].

Im Jahr 1806 werden in den vornehmen Häusern der Engländer große Vorlegemesser gebräuchlich, die am Rücken scharfe Sägezähne haben, um die Knochen der großen englischen Braten zu zersägen[86].

Im Jahr 1807 erfand der englische Ingenieur William Newberry die Bandsäge[87]. Ob er sie im gleichen Jahr, wie man gelegentlich liest[88], auch gebaut hat, ist nicht nachweisbar.