Unterteil einer steinernen Gußform für 4 bronzene Sägen, aus Skane in Schweden, um 1500 vor Chr.
Wie die Sägen der Bronzezeit um's Jahr 1500 v. Chr. aussahen, wissen wir nicht nur aus Funden von Sägen, sondern auch aus Funden von steinernen Gußformen ([Seite 11]). Vergleicht man die in schweizerischen Pfahlbauten gefundenen Sägen mit denen der Nordländer, dann muß man zu der Annahme kommen, daß man in Mitteleuropa damals kleine Bronzesägen in Form gerader Stichsägen verwendete. Das Blatt verjüngt sich zur Spitze hin nur wenig. An einem Ende hat es ein Loch, um es im Handgriff festzuhalten. Ein Exemplar aus dem Pfahlbau Möringen, das sich jetzt im Landesmuseum zu Zürich befindet, ist 140 mm lang und an den Zähnen nicht ganz 2 mm breit.
Die nordischen Sägen haben eine eigenartige Form, die sich sowohl an gefundenen Originalstücken, wie auch an Gußformen findet. Ihre Länge schwankt zwischen 12 und 18 cm. Höcker am Rücken müssen zu einer bisher nicht bekannten Art der Schäftung gedient haben[8].
Die Bronzesäge ging auch in den griechischen Kulturkreis über. Auf [Seite 12] ist eine feine, bronzene Knochensäge mit angegossenem Griff abgebildet, wie sie ums Jahr 200 v. Chr. von griechischen Ärzten bei Amputationen benutzt wurde. Die ganze Länge dieses zu Ephesos gefundenen Stückes mißt 205 mm[9].
Die römischen Schriftsteller verlegten die Erfindung der Säge in die Zeit, da der sagenhafte Daedalos zu Athen lebte. Und sie erzählen: Thalos, ein junger griechischer Künstler, der bei Daedalos in der Lehre war, fand einst die Kinnlade einer Schlange, die er spielend an einem Holz hin- und herrieb. Da bemerkte er, daß die Zähne in das Holz einschnitten und das Holz sich so teilen ließ. Dies brachte ihn auf den Gedanken, ein Werkzeug zu machen, das die Schärfe der Zähne der Schlange nachahmte. Er nahm also ein Stück Metall, schnitt nach dem Muster der kleinen, kurzen und eng bei einanderstehenden Zähne der Schlange Zacken hinein und so entstand die erste Säge. Der Erfinder soll damals erst 12 Jahre alt gewesen sein. Daedalos sei auf seinen Lehrling wegen dieser Erfindung so neidisch geworden, daß er den Thalos von der Burg zu Athen hinabstürzte und deshalb flüchtig werden mußte. Daedalos ging nach der Insel Kreta, wo er das berühmte Labyrinth gebaut haben soll. Doch er »haßt indessen die kerkernde Kreta, wohin ihn lange verbannt das Geschick. Und, gelockt von der Liebe der Heimat, war er umschlossen vom Meer. So werde denn Land und Gewässer, rief er, gesperrt, doch öffnet der Himmel sich: dort sei die Laufbahn!« Und wir wissen, daß die Sage uns vom Flug des Daedalos und des Ikaros berichtet, noch ehe wir Kunde von einem menschlichen Flugversuch haben[10].
Daedalos wird im Altertum mit einer Säge in der Hand abgebildet ([Seite 13]). Hier sehen wir ihn mit diesem Werkzeug vor der von ihm angefertigten hölzernen Kuh, die er für die Gattin des Königs Minos lebenswahr gebildet hatte[11].
Betrachten wir die Darstellungen von Sägen auf Bildwerken des Altertums, dann dürfen wir nicht allzuviel technische Kritik aufwenden, denn der Künstler ging damals — und geht noch heute — bei der Gestaltung realer Dinge von ästhetischen Gesichtspunkten aus. Und dann müssen wir beachten, daß die feinen Einzelheiten einer Säge, zumal die Zahnform, auf bildlichen Darstellungen leicht verloren gehen und auch von den Altertumsforschern, die die antiken Denkmäler ehemals abzeichneten, wohl nicht allzu sorgsam wiedergegeben worden sind.
Griechische medizinische Bronzesäge (Griff gekürzt), um 200 v. Chr.