Zwei Säger. Römisches Relief um's Jahr 325 nach Chr.

Auf einem Altarstein aus der Zeit des römischen Kaisers Domitianus, der von 81 bis 96 regierte, sind unter verschiedenen Werkzeugen eine Rahmensäge und eine Schrotsäge abgebildet ([Seite 20]). An beiden erkennt man deutlich die stark geneigte Dreiecksverzahnung und den gewölbten Rücken des Sägeblattes. Die Rahmensäge ist mit Nägeln in den Rahmen eingehangen. Das Blatt konnte also nicht, wie bei uns, gedreht werden. Die Schrotsäge ist an den Enden verstärkt und länglich durchlocht[15].

Dieser Altarstein wird im Capitolinischen Museum der Stadt Rom aufbewahrt.

Römische Säger. Tuffstein-Relief.

Im Jahre 1883 fand man in Deneuvre (Departement Meurthe-et-Moselle) einen Stein mit dem hier neben wiedergegebenen Relief. Da man gleichzeitig eine Münze des römischen Kaisers Constantinus fand, kann man diese Darstellung auf etwa 325 nach Chr. datieren. Wir sehen in einer Nische die Darstellung eines auf gespreizten Beinen stehenden Sägebockes. Auf ihm liegt — was an dem arg beschädigten Stein nicht mehr sichtbar ist — das zu sägende Bord. Ein Säger steht auf dem Bock, der andere darunter. Die Säge ist so stark beschädigt, daß sie nicht mehr in den Einzelheiten zu erkennen ist. Ja, das über dem Bord herausragende Stück der Säge verläuft wesentlich anders, als das unten sichtbare[16].

Bronzene römische Stichsäge.

Die Altertumswissenschaft hat diese Darstellung bisher stets für eine Säge gehalten, und obwohl ich wegen des eigenartigen Verlaufs des Sägeblattes erhebliche technische Bedenken habe, gebe ich die Darstellung hier wieder. Ich wüßte keine andere Erklärung für sie. Vielleicht ist der obere Teil des Sägeblattes so weggebrochen, daß man den Bruch nicht mehr erkennen kann, die helle Bruchstelle unterhalb der Hände des oberen Sägers kann ja auch zum Hintergrund gehören.