Weißt Du, was mir gerade einfällt? ein Zukunftsbild: die erste Begegnung Deiner beiden Buben mit den zwei Niestlé’schen Mädchen — auf solche köstlichen Augenblicke, die doch kommen werden, freu ich mich!
Von Herzen Dein Franz Marc.
22. II. 15.
Liebe Lisbeth,
umstehend die von der Redaktion erbetene Autorisation zum Abdruck. Maria schrieb mir, daß sie etwas animos bei Dir angefragt hat; ich hatte die Geschichte mit Herrn Scheffler so komplett vergessen, daß mir letzthin gar nicht recht klar wurde, worin eigentlich die Spannung zwischen mir und der Redaktion bestehe. Jetzt erinnerte ich mich plötzlich an alles, und wundere mich auch nicht über die Anfrage. Vive la bagatelle! Meine Gedanken sind heute wo ganz anders — es ist alles so lange lange her, als wären’s Jahre.
Auf Deinen lieben letzten Brief antwortete ich Dir kurz, tags darauf kam dann Dein gutes Schokoladepaketchen, schönen Dank! Bleibt alle gesund, Ihr lieben Drei. Mit herzlichem Händedruck
Dein
Franz Marc.
12. V. 1915.
Liebe Lisbeth,
Dank für Deinen langen guten Brief; ja, in Müllheim mußte ich soviel an August und Dich denken; ich kam sehr erschöpft nach einem langen 40 klm Ritt am Bahnhof an, band mein Pferd an einen Laternenpfahl und ruhte mich in der Gartenwirtschaft am Bahnhof aus — da mußte ich so an Euch denken. Ich blieb dann in M. übernacht und ritt am andern Tag etwas schweren Herzens zurück. Ich trennte mich so ungern vom Schwarzwald, der mir so deutsch und heimisch schien. Es kostete mich wirklich einen Entschluß wieder über den Rhein zurück nach Westen zu reiten! Wann werden wir wieder friedlich über den Rhein zurückkehren dürfen?! Daß Maria sich jetzt entschließt, Euch in Bonn zu besuchen, glaube ich nicht sehr; erstens bekommt unser liebes kleines Reh demnächst Junge — auch eine Sorge; man kann das Tierchen doch nicht in solchen Tagen verlassen und fremden Händen anvertrauen; dann die Gartenbestellung und manches andere, ich glaube, Maria wird sich jetzt schwer von Ried trennen. Wenn Du mit den Kindern die Reise nicht wagst und lieber einmal einen kurzen Besuch allein machst, wirst Du Maria und mir auch eine große Freude machen; und ich hoffe so sehr, daß er für Dich selbst eine kleine seelische Erholung wäre —.