Fig. 50. Kinematographische Aufnahmekamera.

Das belichtete Filmband wird in der Dunkelkammer in der dem Amateurphotographen bekannten Weise entwickelt, fixiert, ausgewaschen und getrocknet. Zu dieser Behandlung spannt man das Band in Längen bis zu etwa 50 m spiralförmig auf Rahmen, welche in die Bäder getaucht werden; andere Betriebe benutzen zum Aufspannen Trommeln, welche man mit dem untern Teile in die Entwicklerbecken hängen läßt, um sie dann zu drehen. Nach dem vollkommenen Trocknen werden die Films auf etwaige Fehler geprüft und gereinigt, worauf sie in den Kopierraum gelangen. Hier kommt der Negativfilm mitsamt einem Positivfilm in die Kopiermaschine; die beiden Filme laufen Schicht auf Schicht, Schritt um Schritt an einem Fensterchen vorbei, durch welches eine Glühlampe die Exposition besorgt. Der belichtete Positivfilm wird ähnlich wie der Negativfilm in den verschiedenen Bädern behandelt, bis die darauf kopierten Bilder schön und klar herausgekommen sind. Manche der Aufnahmen erfahren noch weitere Bearbeitung, indem mit Hilfe chemischer Tonbäder die dunklen Partien gefärbt werden. Oder man zieht die Bänder durch einfache Farblösungen, um der ganzen Schicht einen gleichmäßigen Ton zu verleihen. Andere Filme sollen hinwieder naturfarbig herausgebracht werden, und da heißt es, künstlich die Farben auftragen. Während dies in der Regel mit der Hand geschieht — eine bei den zahllosen kleinen Bildchen mühsame und langwierige Arbeit — gehen die großen Fabriken jetzt dazu über, auch Koloriermaschinen anzuwenden, welche die einzelnen Farben mit Hilfe geschnittener Schablonen auftragen.

Zur Herstellung der dramatischen und humoristischen Aufnahmen, wie man sie in den Kinematographentheatern sieht, verfügen die Filmfabriken über große Glashäuser, die mit allen Requisiten versehen sind und in der Ausstattung mit den größten Theatern wetteifern können. Manche der Ateliers sind so geräumig, daß mehrere Szenen gleichzeitig gespielt und aufgenommen werden. Vielfach erfolgen die Aufnahmen beim Licht zahlreicher Bogenlampen.


[Die Herstellung der Trickfilme]

Zuweilen sieht man kinematographische Bilder mit zauberhaften Vorgängen. Die Herstellung solcher Trickfilme ist in vielen Fällen ganz einfach. Wenn z. B. in einem Bilde ein Mann an den Wänden heraufkriecht und an der Decke hinläuft, so wurden bei der Aufnahme auf den Boden des Ateliers abwechselnd Dekorationen gelegt, welche die Seitenwände und die Decke eines Zimmers darstellen; der Mann kroch oder lief darüber und wurde von oben her photographiert. Ein beliebter Trick ist die Verwandlung von Personen; sie läßt sich bei kinematographischen Aufnahmen leicht ausführen. Der Photograph braucht nur an der betreffenden Stelle die Aufnahme zu unterbrechen, alsdann wird die Verwandlung vorgenommen und die Aufnahme wieder fortgesetzt. Ein Beispiel mag dies erläutern. Der Kinematograph führe folgende Szene vor, die in den Figuren 51 bis 54[1] angedeutet ist. Ein Betrunkener liegt auf der Straße. Ein Automobil saust heran und fährt ihm beide Beine ab (Fig. [51]). Der Mann schreit nach und schwenkt die Beine in die Luft (Fig. [52]). Das Auto hält, der Insasse läuft heran, er flickt ihm die Beine wieder an (Fig. [53]), und beide ziehen zufrieden von dannen (Fig. [54]). — Nun die Lösung! Auch hier wird die Aufnahme unterbrochen, und zwar zuerst in dem Moment, wo das Automobil herangekommen ist. Das Auto hält an. Der Betrunkene wird ersetzt durch einen Krüppel, dem beide Beine fehlen, und ein Paar künstlicher Beine davor gelegt. Die Auswechslung der Personen ist in Fig. [55] wiedergegeben. Dann tritt der kinematographische Apparat wieder in Tätigkeit: das Auto, dessen Weg genau vorgezeichnet ist, fährt nochmals heran und saust darüber hinweg. Nachher wird die Aufnahme abermals unterbrochen und der Krüppel wieder durch den Betrunkenen ersetzt.

Fig. 51-54. Szenen aus einem Trickfilm.