Die Mädchen empfingen ihren obersten Henker schweigend, ja Edeltraut warf ihm einen Blick zu, in dem ihr ganzer edler Stolz wieder aufzuleben schien. Dann wandte sie sich von ihm ab und trat zum Fenster.
»Ich komme nicht als Richter,« begann der Gestrenge nicht ohne Befangenheit zu sprechen, »ich komme vielmehr als Freund — mein graues Haar gibt mir zu diesem Worte ein Recht, — um euch, edle Jungfrauen, nach Möglichkeit zu trösten und euch zu dienen.«
»Wir danken euch für eueren Willen,« entgegnete Edeltraut mit Würde, ohne ihre Stellung zu ändern. »Wir beide, Elsa sowie ich, verzichten leichten Herzens auf Euere Freundschaft und auf Euere Dienste.«
»Ihr seid stolz!« versetzte überrascht der Oberschultheiß.
»Wir werfen uns wenigstens nicht weg und heucheln nicht.«
Der Gestrenge biß sich auf die Lippen.
»Ich dächte doch, die Macht, die mir als Richter verliehen ist, ließe mich als Freund nicht wertlos erscheinen. In meiner Hand zumeist liegt euer Schicksal, ich kann es wenden, wie ich will.«
Edeltraut drehte sich rasch um. Ihr Auge leuchtete in gerechter Entrüstung.
»Und ich dächte, ein Richter hat zu richten, wie er muß, und nicht so, wie er will.«