Der Gestrenge warf einen langen Blick unversöhnlichen Hasses nach dem kühnen Mädchen; dann verließ er polternd den Kerker.
Draußen blieb er stehen und versank in tiefes Sinnen. Was war es, das diese alte, rostige Seele so ernst stimmte? Schlief vielleicht doch ein Funke von Ehre und Gefühl in dieser Brust, und fand in diesem Gehirne vielleicht doch noch ein anderer Gedanke Raum als der an Blut und Geld? Vielleicht stieg es wie Scham und Reue in ihm auf, wenn er zurückdachte an jene zwei armen Opfer, deren Gefängnis er soeben verlassen hatte? O nein! All das bewegte nicht des Richters Sinn und Seele, sein ganzes Denken galt der Zahl sieben, und wie sie sich zu Silber machen ließe!
Er befahl dem Kerkermeister, jenes Verließ zu öffnen, in welchem Zuckerwastl mit seinen Genossen sich befand.
»Wie geht es euch?« sprach er, in den Kerker tretend und einen prüfenden Blick auf die kauernden Gestalten heftend. »'s ist schlimme Wohnung, nicht wahr, Zuckerwastl; aber solchen Vögeln baut man solchen Käfig. Es geht nun in der Welt nicht anders.«
»Was wollt Ihr?« murrte der Zuckerwastl.
»Ei, was werde ich wollen?« sprach unbefangen der Oberschultheiß; »euch besuchen, nach euch sehen, fragen, ob euch nichts fehlt, ob ihr mir nichts zu beichten habt, ha, so ein kleines Geständnis! Hm, Zuckerwastl, wie meinst du?«
Der schüttelte den Kopf und höhnte: »Euch, Herr, sollt' ich beichten? Nein! Hab's überhaupt verlernt; und wollt' ich es je vor meinem Tode noch einmal tun, müßte es doch ein Priester sein und just nicht Ihr.«
»Nun, nun, so war's auch nicht gemeint! Ich dachte nur, der Zuckerwastl ist zwar ein großer Spitzbube —«
»Danke, Herr!«
»— Aber auch ein sehr vernünftiger Mensch.«