Die Alte sah dem Weibe scharf ins Auge. »Warum fragst du mich das?« fuhr sie zornig heraus. »Meinst du, ich wisse alles? Und wenn ich es wüßte, meinst du, ich wollte es dir sagen? Ich weiß gar nichts, ich schwör's bei meiner Seele, gar nichts! Wenn du aber ein Hexlein werden willst, so weiß ich dir guten Rat. Geh' du nur nach Würzburg hinein und frage nach der schielenden Ammfrau, die alte Bernin heißt sie, die kann dir mehr sagen, als deinem Kopfe gut ist. Ich aber weiß nichts.«
»Dank' Euch! Geh' nicht zu ihr,« warf Helena entschieden hin; »aber warum seid Ihr auf einmal so böse?«
»Bin nicht böse, bei Gott, nein! Hast mich nur mit der dummen Frage erschreckt. Ich warne dich, die Wände haben Ohren! Rede nicht laut vom Bündnis mit dem Bösen! Die Herren in Würzburg drinnen haben ein gar fein Gehör. Möchte deinetwegen nicht mit dem Henker noch Scheiterhaufen Bekanntschaft machen.«
»Ei, wo denkt Ihr hin?« lachte Helena und ging aus der Küche. Die Alte aber sah ihr mit giftigem Auge nach. »Das Weibsbild wäre dumm genug, dich aufs Hexengericht zu plaudern!« murmelte sie, und bange Angst starrte aus ihren Zügen. — —
Die Männer hatten sich unterdessen um den Tisch in dem Hausflur gelagert und spielten. Gierig folgten die dunklen, glänzenden Augen dem Rollen der Würfel, und mancher derbe Fluch begleitete das Klappern derselben.
»Doppelter Satz!« polterte der Zuckerwastl, einen kleinen Taler aus dem ledernen Zugbeutel herausholend und auf den Tisch werfend.
»Vielleicht Kirchengeld?« fragte nicht ohne scharfe Betonung der zerbrochene Paulus.
Der Zuckerwastl sah ihn grimmig an. »Und wenn, was geht's dich an?«
»Hab' nur gemeint,« gab jener trocken zurück. »Weiß auch den Opferstock, den du um diesen Taler und anderes Geld leichter gemacht hast. Ja, ja, der Junker Zuckerwastl geht gerne zur Kirche. Ist ein gar frommer Geselle!«