»Dummes Zeug! Wir waren heute nacht in unserer Schlafkammer, was kannst du da Sonderliches gehört haben?«
»Ich will dir's erzählen, Alter; aber du mußt nicht unwirsch tun, versprich mir das!«
»Sei ohne Sorge,« versetzte er mit einem Anfluge von Wärme in seiner Stimme.
»Du lagst in deinem Bette,« erzählte die Hausfrau, »und schienst ruhig zu schlafen, indes ich mich ruhelos auf meinem Lager umherwarf. Dein Atmen war erst ruhig; dann ging es in ein ängstliches Stöhnen über, und bald begannst du wirr durcheinander zu reden. Du magst wohl schwer geträumt haben, denn was du sagtest, klang gar schrecklich.«
»Und was war das?« fragte finster der Oberschultheiß entgegen.
»Erst war deine Rede unverständlich, bald aber sprachst du gar vernehmlich. Was ihr nur habt, zanktest du, so laßt mich doch in Ruhe. Geht, geht, bleibt fort in eueren Gräbern, bleibt am Galgen, und ihr, die ihr zu Asche verbrannt seid, wer hat euch denn gelehrt, aus euerem Staube wieder euere Körper zu formen und mich zu quälen? Schweigt, schweigt, ich habe euch nicht gemordet, es ist nicht wahr, ich habe nur nach Recht und nach Gesetz mit euch getan!... Ob ihr auch leugnet und mit eueren hohlen Stimmen ruft, ihr seiet keine Hexen, ja es gäbe keine, ihr seid es doch. Geht hin, woher ihr gekommen seid, und lasset ab, mich so zu quälen!«
Die Alte hielt einen Augenblick inne; ihr Gatte stand abgewandt von ihr mit verschränkten Armen und ließ das Haupt tief auf die Brust herabsinken.
»Weiter!«
»Da plötzlich strecktest du die Hände flehend aus und riefst: O nehmt mich nicht mit euch hinaus zur Richtstätte, ich kann nicht! O wie mir schaudert, laßt mich, laßt mich! — — Du erwachtest, und als ich dir den kalten Schweiß von deiner Stirne trocknete und dich um dein Traumbild befragte, da wandtest du dich unwirsch ab.«
»'s ist wahr, ich hatte einen bösen Traum,« sprach der Gatte und trat ans Fenster, durch das eben die letzten Sonnenstrahlen grüßend in die Stube fielen. »Es war eine schlimme Nacht; allein ich halte ganz gewiß dafür, daß mir die Hexen diese Traumqual angetan haben, um mich zu schrecken und einzuschüchtern.«