»Ei, du mein lieber Gott,« jammerte die Alte händeringend, »so meinst du wirklich, das sei Hexenwerk und Hexenrache gewesen?«
»Ohne Zweifel,« bestätigte, die Brauen hochaufziehend, der Gestrenge. »Übrigens sei ohne Sorge, ich werde mir schon Ruhe zu verschaffen wissen. Ein tüchtig Brennen nach dem andern wird doch wohl endlich mit den Unholden ein Ende machen. Und ist Stadt und Land von diesem Höllengesindel gereinigt, dann wird man mit Stolz und Ruhm meinen Namen nennen als den eines weisen und gerechten Mannes und eines Wohltäters hiesiger Stadt. Gib mir Hut und Mantel und laß mich hinter einem Glase Wein für eine Stunde jener Sorgen vergessen, die zwar meinen Geist erdrücken müßten, wäre er nicht von seltener Stärke, die aber auch einen unvergänglichen Ruhm um meinen Namen flechten. Gott mit dir, liebes Ehegespons!« —
— Über den Gassen und Gäßlein lag tiefes Dämmerlicht. Da und dort brannte schon vor einem Madonnenbilde in der Mauernische ein rötlich flackerndes Öllicht. Munter scherzend zogen die Gesellen, den Arbeitsschurz zurückgeschlagen, Arm in Arm durch die Straßen, ein fröhliches Lied singend oder den vor den Haustüren sitzenden Mädchen ein ehrbar neckisches Wort zum Gruße zurufend.
»Bst, Martin,« stieß einer den andern an, »siehst du ihn dort den Marktplatz herunterkommen?«
»Herrgott, der Oberschultheiß! Gehen wir ihm aus dem Wege!«
»Warum nicht gar? Hat auch nicht mehr Recht auf der Gasse als unsereiner.«
»Mir graut vor dem Menschen.«
»Ja, ja, so recht liebenswürdig sieht er nicht aus!«
»Und sein ewiges Hexenbrennen! Der Mensch muß ein Stück vom Teufel im Leibe haben.«
Der Gestrenge ging vorüber. Die Burschen grüßten kecklich mit einem »Guten Abend, Herr!« Der Gruß ward gar ernst und würdevoll erwidert.