13. Kapitel: »Priester im Bunde des Satans«
Die Aufregung in der Stadt wuchs von Tag zu Tag. Die gefängliche Einziehung des Spittlmeisters am Dietericher Tor beschäftigte die Würzburger aufs lebhafteste. Jedermann war dem hochgelehrten, treuherzigen Herrn aufrichtig gewogen, jedermann dachte sich ihn ohne Fehl und Arg, und besonders die Kinder vermißten ihren lieben Freund sehr schmerzlich.
»Da haben sie just den Rechten eingefangen,« meinte ein Alter, der unter einer Gruppe von Männern und Frauen vor dem Hauptportale des Domes stand, wo sie eben die Frühmesse gehört hatten.
»So, und warum?« fragte ein anderer heftig entgegen. »Will euch was sagen. Wir haben ein wahres Schandregiment in der Stadt; Gauner, Spitzbuben, fahrendes Gesindel lauft lustig in unseren Gassen umher und treibt, was ihm gefällt; die besten Männer dagegen reißt man des Nachts aus ihren Betten und wirft sie in den Kerker! Ist das nicht eine Schmach? Und es wird nicht besser, bis nicht wir Bürger der Stadt fest zusammentreten und zum Fürstbischofe gehen und ihm sagen: Gnädigster Herr, wir Bürger möchten ein anderes Regiment.«
»Und doch sage ich,« wiederholte der erste, »sie haben am Spittlmeister den Rechten eingefangen. Seht, da glotzt ihr mich an und streckt die Hälse und versteht mich nicht. Ich sage euch, der Spittlmeister mit seinem scharfen Verstande und mit seiner gewaltigen Rede wird den Herren beim Malefizgerichte ein solches Licht aufstecken, daß ihnen die Augen aufgehen.«
»Glaub's nicht; denen geht nicht Herz noch Auge und Verstand auf. Die sind hartgesotten wie wahre Teufel, und solange der Fürstbischof nicht unter die ganze Rotte fährt und sie auseinanderfegt, geht kein Ende mit dem Einfangen und Hinrichten her. Herrgott, ist es jetzt doch schon schier, als sollte unsere Stadt zum Grabe werden! Nirgend mehr Lust und froher Sang, überall finstere, traurige Gesichter; und die Geschäfte erst; alle liegen sie danieder, der Henker ist der einzige, der jetzt guten Verdienst hat, Kreuzsternbombenelement — —«
»Ob du ruhig bist,« herrschte ihn seine Alte an und legte ihm die knochige Hand auf den Mund. »Ich will dir als ehrsamer Bürger fluchen!«
»Frau, halte dein Maul,« gab der zurück und stieß die Hand weg; »du verstehst das gar nicht. Gegen einen richtigen Zorn hilft oft gar nichts als ein tüchtig Scheltwort.«
»Das sagen alle Fuhrknechte und Soldaten,« zürnte die Alte vorwurfsvoll.
Der Aktuarius trat fast demütig grüßend zu den Plaudernden. Er trug ein gewaltiges Aktenbündel unter dem Arme und legte sein langes, hageres Gesicht in gar bedenkliche Miene.