»Besten guten Morgen!« sprach er, nach allen Seiten grüßend. »Schon andächtig gewesen? Schön, schön! Ernste Zeiten jetzt; es tut Gebet wirklich not. Jawohl! Ist nur das Traurigste, daß auch unsere Priester zu wanken beginnen. Und was soll aus dem armen Volke werden, wenn die Geistlichkeit aufhört, dessen Stütze und Richtschnur zu sein?«

»Was könnt Ihr über unsere Priester klagen?« murrte der Alte unzufrieden.

Der Aktuarius deutete mit seinen Spinnenfingern nach den Aktenstücken, die er unter seinem Arme hielt. »Heute wird man mit dem Chorherrn Nikodemus Hirsch und dem Vikarius Christophorus Barger ins Gericht gehen. Ich sage Euch, das sind ganz schreckliche Zauberer. Und stünden sie allein! Aber man hat bereits an vierzig Priester im Verdachte, daß sie's mit dem Teufel haben.«

Er ließ den Kopf gar wehmutsvoll auf die flache Brust herabsinken, seufzte tief auf und wischte sich über die halbgeschlossenen Augen.

»Das glaub' ich nicht,« schmähte eine Frau, »und wenn es auch klügere und größere Herren sagten, als Ihr seid. Habt Ihr nicht genug daran, daß Ihr die halbe Stadt bereits um Ehre und guten Namen gebracht habt, wollt Ihr nun auch unsere Priester schlecht machen?«

»Euer Unwille ehrt Euch, beste Frau,« sprach der Aktuarius und verdrehte die Augen. »Ihr habt vollständig recht, daß, wenn alles zu Trümmern geht, wenigstens unsere Priester als Wächter des Glaubens unerschütterlich feststehen sollten; wir haben ein heiliges Recht, dies von ihnen zu fordern; allein dies schließt weiter die Möglichkeit nicht aus, daß auch das Salz der Erde schal wird. Spricht man doch von einem Priester, der sich die Hochachtung aller, die ihn kennen, zu erwerben verstand, daß auch seine Rechtgläubigkeit angefangen hat, verdächtig zu werden.«

»So. Und wer wäre dieser Priester?« fragte gereizt ein Bürger.

»Ein Jesuit ist es,« antwortete der Aktuarius und rieb sich die Hände.

»Was nicht gar?« lachte der andere; »wollt Ihr uns nicht am Ende vormachen, der Pater wolle lutherisch werden?«

Der Aktuar sah mit stolzer Überlegenheit seinen Gegner an.