»Was würdet Ihr sagen,« begann er, seiner Stimme einen besonderen Nachdruck verleihend, »wenn ein katholischer Priester, ein Ordensmann, behaupten würde, es gäbe keinen Teufel?«
Er hielt einen Augenblick inne und blickte forschenden Auges auf seine Zuhörer.
»Bedenkt,« fuhr er sehr gelehrt fort, »bedenkt, daß, wer den Teufel leugnet, notwendig — wir Gelehrte sagen logisch — auch unseren Herrgott leugnen muß. Und ist einer einmal dahin gekommen, so bricht aller Glaube zusammen.«
»Ja, ja,« meinte ein alter Bürger, »soweit habt Ihr ganz recht. Es muß einer alles glauben; Stückwerk führt zum Unglauben. So etwas versteht auch ein einfacher Handwerkerverstand. Aber wer ist denn der Jesuit, von dem Ihr da redet?«
»Das ist der Pater Spee!« entgegnete der Aktuarius.
»Oho, Ihr beliebt mit uns zu scherzen, Herr! Wenn Ihr uns doch ein Märchen aufbinden wolltet, hättet Ihr wenigstens den Spee weglassen sollen; der paßt nun einmal gar nicht hinein.«
»Und doch ist es so, wie ich gesagt habe,« gab mit kaltem Stolze der Aktuar zurück. »Ihr sagt, was ihr wollt und wünschet, ich, was ich weiß.«
Dabei deutete er sehr wichtig tuend auf sein Bündel Akten.
»Es ist bereits so weit, daß sich das Gericht mit dem Pater Spee befassen muß, und es wird am besten sein, wenn man den Pater veranlaßt, Würzburg, je eher je lieber, zu verlassen. Er muß fort,« fuhr er leidenschaftlich werdend weiter, »er ist an all dem Elende schuld, das über unsere Stadt gekommen ist. Der Fürstbischof hat ihm nicht umsonst seine Gnade entzogen; — ein höchst gefährlicher Mann — betet, daß uns Gott von ihm erlöse!«
Leicht grüßend ging er seines Weges weiter und berechnete die Ernte, welche wohl aus dieser Aussaat aufgehen könnte. Und diese war nicht auf ganz unfruchtbaren Boden gefallen. Die Bürgersleute standen gar nachdenklich beieinander, und jeder wog die Zweifel ab, die seine Seele bewegten. Der Pater Spee war ihnen bisher eine höchst ehrwürdige Erscheinung gewesen, der sie mit allem Vertrauen entgegenkamen; eine einzige Rede genügte, um über den Mann einen trüben Schein zu breiten und Zweifel an seiner Ehrenhaftigkeit zu wecken.