»Hätte es mein Lebtag nicht gedacht,« sprach der eine kopfschüttelnd, »daß sogar ein Pater Spee im Glauben verdächtig sein könnte! Hm, was man nicht alles erleben kann.«
»'s ist doch ein wahrer Trost,« meinte ein zweiter, »daß unsere Herren am Gerichte noch auf Strenggläubigkeit halten; um dessentwillen kann man ihnen wieder gar viel verzeihen.«
»Ich glaube es noch nicht ganz fest,« keifte eine Alte, »daß der Spee nicht ganz rechtgläubig ist. Aber ich mag ihn doch nicht mehr recht leiden. Er täte wohl am besten, er ginge fort aus Würzburg. Mit dem Respekt ist es doch zu Ende. Du mein Gott, wenn wir Bürgersfrauen nicht zum rechten Glauben stünden, es wäre zuletzt um unseren Herrgott geschehen. Die richtigen Frommen sind doch immer wir Frauen der Stadt.«
Der Aktuar rieb sich sehr vergnügt die Hände, als er durch die kleinen Scheiblein des Malefizsaales auf die Straße heruntersah. Hatte er doch mit der Lösung seines Versprechens, gegen Spee zu arbeiten, wie er hoffen durfte, mit gutem Erfolge begonnen, und wußte er doch, daß das Volk seiner Zeit nicht weniger wankelmütig sei, als jenes war, das aus einer Kehle »Hosanna« und »Kreuzige« rief.
Der Henker trat in den Saal und ordnete an seinen Marterwerkzeugen herum. Er tat dies mit jener vollen Seelenruhe und Gleichgültigkeit, als wären es Äpfel, die er auf ihren Platz legte.
»Guten Morgen, Herr Aktuarius!« grüßte er. »Die Gestrengen gehen heute frühe ans Tagewerk. Wie ich gehört habe, kommen diesen Morgen die zwei Priester an die Reihe, die im Schneidturme gefangen sitzen.«
»Ganz richtig,« bestätigte mit Amtsmiene der Aktuar; »die zwei Priester und der Student.«
»Das junge Studentenblut könnte mir fast leidtun,« meinte der Henker, die Folterbank prüfend.
Der Aktuar zuckte mit den Achseln. »Mir tut kein Mensch leid, der in unsere Hände fällt.«
Der Henker lachte grinsend. »Hätte es mein Lebtag nicht gemeint, daß ich so vornehme Kundschaft bekäme. Da seht mal den prächtigen Daumenschrauben! Ob der nicht ein ganz kostbares Handwerkszeug ist! Und all die anderen schönen Sächlein! Es ist eine wahre Lust, die eisernen und spitzigen Dinger zu sehen.«