Ein schönes Lob für einen Kirchenfürsten, so schlicht die Sprache auch ist, in die es gekleidet ist.
Während draußen auf dem bunten Markte des Lebens sich große Pläne und Torheiten um die Zukunft stritten; während die Gerichtshöfe, wie die Schenken und innersten Räume des Familienlebens — nun verurteilend, erbarmungslos, von blutigem Wahne angestachelt, nun zitternd und bange flüsternd — nur von Hexen widerhallen, und der Sturmflut gleich, die alles mit sich reißt, sich all die Kerker mit den Opfern jenes Wahnes füllten; und während Vogt und Räte um so stolzer durch die Gassen gingen, je mehr sie Henker und den Scheiterhaufen in Bewegung setzten: ist's eine einsame Klosterzelle, wo in einem Priesterherzen das Mitleid mit den armen Hexen zur Morgenröte einer besseren Zukunft wird.
P. Spee ließ die Perlen seines Rosenkranzes durch die Finger gleiten und schaute lächelnd zu seinem Freunde hinüber.
»Nicht doch, mein lieber Schönborn. Ich möchte dich gar nicht in unserem Kloster wissen. Nicht, daß ich dich nicht mit freudigem Herzen Bruder nennte, nicht, daß ich dir den Frieden vorenthalten wollte, der in diesen Mauern lebt; dein Platz ist da, wo du bist. Dorthin hat dich Gott gestellt, und damit sei du zufrieden. Und was das innere Glück betrifft, so findet das mein teurer Philipp auch, umrauscht vom Weltgetümmel, in seinem guten Herzen und seiner edlen Gesinnung.«
»Immer zu gut, immer zu nachsichtig,« antwortete kopfschüttelnd der Kanonikus. »Der Schönborn möchte gerne gut sein; aber er ist es nicht.«
»Er ist es,« entgegnete Spee mit fester Stimme. »Er ist es; und ich sage das mit heißem Danke gegen Gott. Denn je mehr die Geister der Menschen einer unheilvollen Verblendung anheimfallen; je mehr die dreifache Lust an Glaube, Zucht und Sitte rüttelt; je dichtere Nebel eitler Menschenwahn vor Gottes wahres Bildnis breitet: desto notwendiger sind in dem großen Wirrsale Menschen von hellem Kopf und treuem, goldigreinem Herzen, wie mein Schönborn ist.«
»Mein teurer Spee, heute bist du böse. Du solltest mich die Demut lehren und machtest mich so leicht hochmütig, wenn ich nicht wüßte, daß deine Worte mehr gut gemeint, als auf mich passend wären.«
Spee antwortete nicht. Seine erst so milden Züge sanken plötzlich wieder in jene tiefschmerzlichen Linien, die seit einiger Zeit fast beständig auf seinem Antlitze lagen. »Hier ist wieder ein großes Stück Sorge,« sprach er, auf einen Stoß Papiere zeigend. »Wahn, schrecklicher Wahn — und Blut.«
»Schon wieder ein Hexenprozeß?« fragte schüchtern Schönborn und streifte mit bangem Blicke die verhängnisvollen Blätter.