Als der Zug, sich langsam vorwärts wälzend, um die Ecke bog, da trat der Bildschnitzer vor, fest, mit ruhigem, sicherem Schritte, ging auf den Oberschultheiß zu, hielt die Zügel von dessen Pferd an und rief mit lauter Stimme: »Bluthund von einem Menschen, sei verflucht! Dich, aller Henker schlechtesten, sollen die Teufel ewig quälen, und schon auf Erden soll deine Seele keine Ruhe finden! Gleich giftigen Schlangen sei dir dein Gewissen, ein jeder Bissen, den du issest, wandle sich in Unrat, und jeder Tropfen Wassers, den du auf deine Zunge bringst, schmecke nach Menschenblut! Wachend soll dich aller Menschenhaß verfolgen, und deine Träume sollen dir die Teufel malen. Und wenn du stirbst, soll kein Priester dir zur Seite stehen, und bist du tot, kein Kreuz die Stätte zeichnen, wo dein elendes Herz verfault. Geh' hin, du Satan, geh' und morde deine Opfer, geh', und sei verflucht!«

Sprach's und trat zurück unter die Menge, die einen schützenden Wall um ihn schloß. Der Oberschultheiß saß weiß wie eine Leiche und starr vor Schrecken auf seinem Rosse, den Blick zu Boden geschlagen.

In demselben Augenblicke stürzte ein junges Weib händeringend und mit aufgelösten Haaren durch die Soldaten nach dem Wagen, auf welchem die Kleinen saßen, und rief mit einer Stimme, wie sie nur dem höchsten Mutterschmerz eigen ist: »Mein Kind, mein Kind, o gebt mein Kind mir wieder!«

Dabei klammerte sie sich mit der Macht der Verzweiflung an den Wagen, da die Soldaten den Versuch machten, sie loszureißen und fortzuführen. Plötzlich verließ die Ärmste alle Kraft, sie brach zwischen den Rädern zusammen, die Pferde zogen zu gleicher Zeit den Wagen an, — er ging der Mutter übers Herz. Sterbend hob man sie vom Boden auf, sie warf noch einen Blick nach ihrem Kinde, flüsterte dessen Namen und schloß das brechende Auge für ewig! — —

»Vorwärts!« herrschte der Gestrenge in höchster Erregung und trieb den Zug zur Eile an. Fürchtete er doch, es möchte sich das Volk zuletzt in Masse auf die Wagen stürzen und die Gefangenen befreien. Und fürchtete er wohl nicht auch für sein Leben, das dem Fluche verfallen war?

Endlich langte der Zug auf der Richtstätte an. Die Kinder wurden von starker Henkershand vom Wagen gerissen, unter den Galgen gebracht, jedem eine Schlinge um den Hals gelegt, ein Zug am Stricke — und — —

— — Die Feder will den Dienst versagen! —

Inmitten des großen Planes waren fünf Scheiterhaufen aufgerichtet, mächtig groß. Aus jedem ragte ein starker Pfahl empor. Die zum Tode Verurteilten wurden auf die einzelnen Scheiterhaufen geführt, auf denen sie enden sollten.

Pater Spee ging noch zu einem jeden, reichte das Kreuz zum Kusse und segnete alle mit der ganzen Inbrunst seiner heiligen Liebe.

»Mut, Mut, liebe Kinder,« sprach er, »Gott ist euch nahe; euere Unschuld —«