»Den laßt in Ruhe,« knurrte die Alte und hob den Schädel auf, um ihn wieder auf den Kasten zu stellen. »Und nun Euer Begehren?«

»Bin, wie Ihr seht, ein junges, frisches Blut voll Lebensdrang und keckem Mut. Von armen Eltern stammend, doch mit hellem Geist begabt, hab' ich, dank edlen Priestern, des Wissens viel errungen. Doch nicht genug! Mein Geist will weiter forschen, bis er satt geworden, aber — dies macht mein Glück nicht voll. Zwei Fragen sind es, die mich quälen. Und diese sollt Ihr lösen durch Euere Kunst.«

»Erstlich sagt mir: Worin und wo ich mein Glück finden werde?«

Der Blick des Jünglings und jener der Alten begegneten sich und ruhten eine Weile forschend aufeinander. Dann erhob sie sich, ging nach dem Ofen und kehrte mit einem Stück Kohle zurück. Sie zeichnete mit demselben einen Kreis auf die Tischplatte und teilte ihn durch Ellipsen. Die einzelnen Segmente füllte sie mit Zahlen und kabbalistischen Zeichen, nur die Mitte ließ sie frei.

Der Jüngling sah mit lächelnder Miene ihrem Treiben zu. »Habt Ihr gut schreiben gelernt!«

»Stille!« mahnte die Alte und schrieb weiter. »So; nun gebt mir Blut, einen Tropfen.«

Der Student reichte der Alten seine Hand und ließ sich mit einem scharfen Messer die Haut ritzen. Das aufgefangene Blut ward in die Mitte der sich kreuzenden Ellipsen gestrichen.

»Setzt Euch!« sprach sie, nach einem Stuhle hinterm Tische zeigend.

»Euer Stern steht hier. Ihr seht dies Zeichen? Es deutet hohes Lebensglück und stolzes Hoffen. Ehre und Amt winken Euch, und Gold und Minne.«