»Verzeih', Vater, ich fürchte dich! O rühre mich nicht an, nur heute nicht, ich bitte dich!«

»Elsa, sei vernünftig,« mahnte der Alte etwas verdrossen. »Wie magst du so hart gegen deinen Vater sein?«

»Laß mich,« sprach das Mädchen. »Ich kann meiner Seele nicht gebieten, wenn sie in kalten Schauern liegt. Mich friert's im Herzen, als wäre Tod und Nacht dort eingekehrt.«

»Weißt du nicht, törichtes Kind, daß Gott dem Richter jenes Schwert gab, das zwischen Recht und Unrecht, Tod und Leben, Schmach und Ehre strenge scheidet? Wie magst du in der Seele Schrecken fühlen, wenn ich dieses Schwert in Gottes Namen richten ließ?«

»Du hättest recht, wenn es nicht jenen armen Wesen gälte, die ihr Gestrenge als Hexen an den Henker liefert. Vater,« — des Mädchens Stimme ward nicht bittend, ward befehlend — »Vater, sage mir vor Gott, gibt es Hexen?«

»Törichtes Ding, das du bist, ja!« stieß der Alte hastig heraus.

»Und glaubst du und kannst du es mir, deinem armen blinden Lieblinge, auf Hand und Wort und treue Vaterliebe versichern, daß alle jene wirklich Hexen waren, die dein und der anderen Räte Spruch dem Tode weihte? — — Vater, du antwortest nicht? — Habe ich mit meiner Frage zu tief ins Herz, wohl gar in dein Gewissen mich gedrängt? — — Vater, sprich, ich bitte dich!«

Der Alte sah mit einer Mischung von Zorn und Schmerz und Liebe auf seine Tochter nieder.

»Was soll dies alles?« zankte er mißmutig. »Habt ihr Frauen euch in unser ernstes Amt zu mengen?«

»Nein, Vater. Ich weiß, des Weibes und der Tochter Heim ist Haus und Familie. Darüber hinaus soll sie nicht ihr Denken und Begehren richten. Aber gerade darum, weil der Kreis so enge, noch mehr, weil er so heilig ist, will auch das Frauenherz, daß alles, was mit ihm die Luft des Hauses und der Liebe atmet, rein sei, ohne Fehl und Makel.«