»Das ist ganz schön und recht und gut. Ihr Frauen seid, so hart man euch entbehren würde, mit eueren Herzen und Gefühlen eine wahre Last.«

»Sag' das nicht, Vater! Das spricht der Unmut nur aus dir. Hab' ich dich lieb?«

»Weiß Gott,« rief der Alte feuchten Auges, »du bist durch deine Liebe all mein Reichtum!«

»Und glaubst du, daß nur ein Wort über meine Lippen käme, das nicht die Liebe zu dir spricht?«

»Gewiß, mein golden Kind, gewiß!«

»So laß mich reden. Du weißt, Vater, wie arm ich bin. Nichts — nichts ist die Welt für mich. Was euch, wenn ihr gestorben seid, die Erde ist, ein gähnendes Grab in schwarze Nacht gehüllt, das ist das Leben mir. Ihr pflückt mit euerem Auge tausend Lebensfreuden, ich kann das nicht! Wo das Herz allein nach Freuden sucht, da ist die Beute arm, doch soll sie dann doppelt wertvoll sein. Was habe ich Gutes hier als dich, mein Vaterherz? Doch dich — dich möchte ich mit all dem Reichtume meiner Liebe überschütten können, den ich — ich möchte sagen, Gott sei Dank, der Welt nicht schenken kann! Ich vermag dich nicht zu sehen, Vater, wie du bist. Dein Wort, dein Kuß, dein liebendes Walten zeichnet mir dein Bild. Und sieh, dies Bild ist mir so unantastbar heilig, daß niemand es entweihen darf, auch du nicht, — du am wenigsten!«

Der alte Gering ließ die Tränen, die ihm aus den treuen Augen flossen, ungehindert über die Wangen gleiten. Waren es doch Tränen, mehr vom Glücke als vom Leide geweint.

»Sei zufrieden, Elsa! dein Vater sucht sein Glück in deiner Liebe und Trost aus deinem Munde. Laß mich dir klagen, was mich heute so tief erregt, daß ich nicht Ruhe finden mag, es wäre denn, du, Else, löstest mit dem Kampfe mir auch das Leid. Du weißt, daß jüngst die alte Ammfrau Bernin als Hexe gefänglich eingezogen wurde. Im ersten Verhöre blieb sie kalt und trotzig und kein Geständnis irgendwelcher Schuld kam über ihre Lippen. Da ward die Marter an ihr versucht, und nicht geringe. Sie stöhnte, ächzte, fluchte — endlich als die Kraft zu brechen schien, versprach sie ein Bekenntnis ihrer Schuld. Das sollte heute abend vor sich gehen. Ich weiß, was die andern Räte von solchen Bekenntnissen halten, sie sind ihnen allen bare Wahrheit, auf die sie dann Erkenntnis und Richterspruch aufbauen. Du weißt, wie oft ich zu Gericht gesessen, mit Gott und guter Ehre; so schwer, so ahnungsdüster aber wie heute war mir nie zumute. Da drinnen wühlt ein nagender Gedanke, mir ist's, als hinge schweres Unheil über dir und mir.«

»Ist Gottes Hand nicht gnädig über uns?«

»Ich weiß es nicht!«