»Es ist nicht möglich!« rief Spee, vom Unwillen überwältigt, und verbarg das tränenfeuchte Antlitz in seinen Händen.
»Warum nicht möglich?« gab der Oberschultheiß in spitzem Tone zurück. »Heutzutage ist alles möglich. Die Angeklagte nenne Namen!«
»Die ich weiß, die will ich Euch wohl sagen. Da ist erstlich der Schwerdt, Vikarius im Dom, dann der Nikodemus Hirsch, Chorherr im neuen Münster, der Melchior Hammelmann, Vikarius zu Hach, und endlich Christophorus Barger, Vikarius im neuen Münster.[O] Mehr weiß ich nicht. Laßt's Euch genügen!«
Die Ammfrau verfiel nach diesen Worten in ein dumpfes Brüten, aus dem sie nichts zu wecken vermochte. Sie kauerte auf dem Estrich und fuhr mit dem Zeigefinger der rechten Hand an den Fugen der Steinplatten auf und ab, schüttelte den Kopf, daß die grauen Haare über das Gesicht herunterhingen, und brach dann plötzlich in ein lautes Lachen aus, das grausig vom Gewölbe widerhallte.
Zwei Schergen faßten sie und trugen sie auf des Oberschultheißen Befehl nach dem Kerker zurück.
7. Kapitel: Edle Menschen
In einem prächtigen Gemache des alten Bischofshofes spielt ein einsamer, später Sonnenstrahl um reichvergoldete Möbel, seinen Glanz an ihrem Glanze messend. Dann hüpft er, froh des gewonnenen Sieges, über die schweren gewirkten Tapeten, tanzt auf den massigen Skulpturen des Plafonds und springt dann wieder auf den Boden nieder, um das Windspiel zu necken, das dort auf seidenen Kissen ruht.
In der Mitte des Gemaches steht ein großer, ernster Mann. Der Sonnenstrahl huscht scheu an ihm vorüber, nur an den Diamanten des goldenen Pektorales tippt er mit flüchtigen Blitzen. Dann verkriecht er sich wie ein zu Tod erschrecktes Kind am Himmel hinter einer Wolke und will sich nicht mehr sehen lassen.