Der Abend dämmert nieder und pflückt die letzten Lichter von der Erde.
Der Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg tritt, aus seinen Gedanken erwachend, an den Schreibtisch, auf dem sich Aktenstücke befinden. Sein Auge ruht auf einem Blatte mit tiefem Ernste. Es sind nur wenige Zeilen, die, wie sie leblos ihm entgegenstarren, so ihm auch vom Tode reden.
»Ein Urteil!« spricht der Kirchenfürst in halblautem Tone.... »Und allda an der Säulen durch den Nachrichter vom Leben zum Tode strangulieret, auch alsbald darauf der Körper mit dem Feuer zu Pulver verbrannt werden soll!«... »Mit dem Feuer zu Pulver verbrannt,« fuhr der Fürstbischof nach einer Pause, die letzten Worte des Urteils wiederholend, fort. — »Es ist doch ein schreckliches Amt, zu richten über Leben und Tod! Gott gab die Gewalt dazu — 's ist wahr; aber liegt in der berechtigten Gewalt auch schon die Bürgschaft, daß sie nicht irrt, ja, daß sie nicht von menschlicher Leidenschaft sich auf falsche Bahnen drängen läßt und zum gemeinen Mörder wird? Was geschah nicht alles im Namen des Rechtes und der Macht, daß es sich nicht getrost neben das Schlechteste stellen darf, das die Erde gesehen? Was ist Gesetz und Recht und Macht, wenn sie nicht ein reiner Ausfluß von Gottes Willen sind? Kann nicht auch das Gesetz zur Schmach der Menschheit werden, zum fluchwürdigen Tyrannen, der nicht das Gute will, sondern die Guten entehrt und knechtet? Hätte die Menschheit nicht immer mehr und mehr verlernt, in Gottes Wort Gesetz und Wahrheit zu erkennen, wir brauchten all den Wust von Menschensatzung nicht.....«
»Ich kann nicht unterzeichnen, wenigstens heute nicht! Die Seele sträubt sich und der Wille! Wie schön, wie beneidenswert wäre des Fürsten Los, wenn er nur Liebe zu verteilen hätte, wenn nie die Hand, der Mund, das Auge strafen müßten! Das ist ein frommer Wunsch, wie ihrer Tausende im Menschenherzen leben; doch, kann er auch nicht ganz zur Wahrheit werden, so soll er doch soweit Gestalt und Leben haben, als es der Liebe möglich ist.«
Zwei Edelknaben mit brennenden Wachskerzen traten ein und blieben ehrerbietig zu beiden Seiten der Türe stehen.
Philipp Adolf wandte sich wohlwollend zu ihnen.
»Nun, Kurt von Ratzenstein, wie gefällt dir der neue Dienst?«
»Sehr gut, durchlauchtigster Herr,« entgegnete der frische, prächtige Knabe mit den großen, dunkeln Augen. »'s ist alles gar herrlich hier, hab' auch dem Heimweh Valet gesagt, nur —«
»Nun, was fehlt?«