Der feine Herr war nicht wenig verblüfft, als ihn seine Zuhörer mit einer Miene ansahen, die alles eher als Zustimmung oder gar Bewunderung ausdrückte.

»Laßt das tolle Zeug, Herr Graf,« antwortete ziemlich polternd der Ratsvogt Hillmann; »was soll das fremde Wesen bei uns? Verdamme mich Gott — verzeiht, ihr Herren, ich glaube gar, ich hab' geflucht —, mir dreht sich immer Seele und Magen um, wenn ich von deutschem Maul auf deutschen Fleiß und deutsches Wissen schimpfen höre. Tut nicht gut. Wißt Ihr, was unser Walther von der Vogelweide singt? Ich will's Euch sagen, wenn's auch barbarisch Euren Ohren klingen mag. Gebt acht!

Diutsche Mann sind wol gezogen,
Rehte als Engel sind diu Wib getan,
S' wer sie schiltet, der 'st betrogen:
Ich enkan sie anders nicht verstan.
Tugend und reine Minne,
S' wer die suochen wil,
Der soll kommen in unser Land:
Da ist Wünne viel!

So ist's! Deutsche Zucht geht vor allem, und nicht fremdes Zeug. Deutscher Mann — Ehrenmann, deutscher Sinn ist Ehrenpreis, deutsches Herz Vergißmeinnicht, deutsche Treue Augentrost.«

Der Edelmann wollte eben Antwort stehen, und daß diese nicht so fein geduftet hätte als sein Batisttaschentuch, dafür bürgten seine zornglühenden Augen; allein der Eintritt des Fürstbischofs ließ jede Unterhaltung verstummen, und so begnügte er sich damit, den deutschen Bären wenigstens mit einem Blicke tiefster Verachtung zu strafen.

Philipp Adolf liebte es, von Zeit zu Zeit die hervorragenden Männer seiner Residenz um sich zu versammeln, um durch sie mit seinen Untertanen in steter Berührung und Fühlung zu bleiben, deren Wünsche, Klagen und Ansichten kennen zu lernen und überall nach Möglichkeit helfend, aufmunternd oder hemmend dazwischenzutreten.

Die Zeit, zu welcher er über das schöne Frankenland herrschte, war eine sehr bewegte. Die Greuel des Dreißigjährigen Krieges befleckten deutschen Boden, Tilly hatte bei Lutter am Barenberge einen glänzenden Sieg über König Christians Heeresmassen erfochten, unbegreiflicherweise aber denselben nicht ausgenützt. Und wie die Erfolge der einzelnen Feldherren wechselten, so auch die Sorge der deutschen Reichsfürsten und ganz besonders der geistlichen Regenten, welche dem Verlaufe dieser langen, grausen Kriegszeit mit doppelt lebhaftem Interesse folgten.

Zu dieser Sorge kam nun für Philipp Adolf eine weitere und wohl noch schwerere. Der Hexenwahn hatte sich im Bambergischen und Würzburgischen mit einer solchen reißenden Schnelligkeit verbreitet und eine so gräßliche Gestaltung angenommen, daß ein Ende der Schrecken kaum abzusehen war. Das arme Volk ward von dem Hexenwahne wie von einer erblichen Krankheit erfaßt, und das schreckliche Übel griff in immer weitere Kreise, schlug immer tiefere Wurzeln, trug immer blutigere Früchte.

Man glaube nicht, daß man es hier mit einer psychischen Erscheinung zu tun habe, die auf katholischem Boden allein möglich war. Liebt man es doch, alle möglichen Erscheinungen schlimmer Art als eine notwendige Folge katholischen Glaubens und Denkens oder — wie man noch geistreicher meint — »Nichtdenkens« hinzustellen. Sowenig wir leugnen wollen, daß in katholischen Ländern die Verfolgung der Hexen stattfand, sowenig können wir — und zwar zur richtigen Zeichnung jener bald finster dahinschleichenden, bald lawinenartig alles überflutenden Völkerkrankheit — es verschweigen, daß auch in protestantischen Ländern jene Verfolgungen mit größtem Eifer und eiserner Härte geführt wurden. Der Hexenprozeß blühte so gut unter Calvin in Genf, wie unter dem hochkirchlichen Heinrich VIII. von England, im protestantischen Wolfenbüttel und Braunschweig, wie im katholischen Bamberg und Würzburg. Jakob I. von England sagt in seiner »Dämonologia«: »Es hat zwar mehr Gespenster im Papsttum gegeben, von denen man nach der Reformation nichts weiß, aber dafür ist jetzt die teuflische Macht der Hexen mehr kund geworden.«

So waren denn die im Glauben Gespaltenen in der Hexenverfolgung einig. Kepler und Gustav Adolf glaubten an Hexen und Zauberer, und Tilly, der strenggläubige Katholik, galt seinen Gegnern als gefroren und im Bunde mit dem Teufel.