Anfangs mag hüben wie drüben dem aufdämmernden Hexenglauben noch ein grübelnder, rechnender Gedanke gegenübergestanden haben; als aber jenes über alle Maßen traurige Völkerübel an Maß und Ausdehnung zunahm, gab sich nur zu bald auch das widerstrebende Denken gefangen, und wie man zu den Zeiten der Pest jeden mit dem größten Mißtrauen betrachtete und beim geringsten Anzeichen als der Krankheit verfallen ansah und ängstlich mied, so war auch in dieser Zeit niemand sicher vor dem Verdachte der Hexerei und Zauberei, und das Geringste genügte, den Verdacht zur häßlichen Gewißheit und dann zum Todesurteile zu steigern. War's doch, als hätte es dortmals keine erbarmende Liebe mehr unter den Menschen gegeben, sondern nur finstern Wahn und blasse Furcht, die ihre letzte Rettung in lodernden Scheiterhaufen sah. —

Nachdem der Fürstbischof einige der anwesenden Herren mit besonderem Gruße geehrt, den übrigen aber gnädig zugewinkt hatte, ließ er sich auf einen Stuhl nieder und befahl einige von den Gästen zu sich, die anderen bildeten nach Belieben plaudernde Gruppen oder ließen sich zum Brettspiele an einem der feingeschnitzten Tischchen nieder, die in den Ecken des Saales aufgestellt waren.

Philipp Adolf befand sich in Unterhaltung mit einem Domherrn, dem Oberschultheißen und dem Kanonikus Philipp Schönborn.

»Nun, mein Ehrenwerter,« sprach der Fürstbischof, »was könnt Ihr mir über den Verlauf der schwebenden Hexenprozesse mitteilen?«

»Fürstbischöfliche Durchlaucht,« antwortete der Oberschultheiß mit gewichtiger Miene, »ich bin überglücklich, melden zu können, daß diese Angelegenheit endlich einmal nach meinem Wunsche geht!«

»Ihr meint damit doch wohl,« unterbrach der Fürstbischof, »daß es damit zu Ende gehe?«

»Zu Ende, gnädigster Herr? Nein, ich denke, wir sind jetzt glücklich bei einem tüchtigen Anfange angelangt. Ja, ich sage das mit großer Befriedigung, denn es kann kein ruhmvolleres Werk geschehen, als alle Hexen mit Schwert und Feuer zu vernichten.«

»Ein schreckliches Wort!« seufzte Philipp Adolf.

»Wie man es nehmen will,« fuhr achselzuckend der Oberschultheiß fort. »'s ist schrecklich, ja, daß es so arg verkommene Menschen gibt, die mit dem Satan sich verbinden; daß wir sie ausrotten, das ist Wohltat.«