»Ja, wenn es nur so wäre!« seufzte Paulus auf und schaute wieder nach den Sternen. —
— Drinnen im Hause sitzt der Zuckerwastl in einer dunkeln Ecke und führt mit dem Wirte flüsterndes Zwiegespräch.
»Nun, alter Diebsvater, weißt du nirgend einen fetten Bissen, der auf unsere langen hungerigen Finger wartet?«
Der Schenkwirt, ein alter Mann, dessen linkes Auge ausgeronnen ist, und über dessen kahlen Scheitel sich eine breite Schramme zieht, scheint diese Frage nicht zu beachten. Er sitzt mit überschlagenen Beinen auf seiner Holzbank und heftet den Blick auf den roten, ausgetretenen Ziegelboden.
»Ich war jüngst in Würzburg unten,« begann er in halblautem Selbstgespräche. »Die herrliche Stadt ist häßlich geworden; wohin immer du gehst, riecht es nach Blut. Da drinnen reitet der Satan die Herren bei lebendigem Leibe! Du glaubst nicht, alter Freund, wie sie da drunten morden und brennen! Lauter echtes Hexenfleisch! Jetzt ist dort alles und jegliches Hexe und verhext! Möchte nicht wetten, ob sich die klugen Herren am Gerichte in ihrer großen Weisheit nicht selbst zuletzt noch für Zauberer und vom Teufel Besessene halten. Wenn die Herren nicht so dumm wären, so wäre dies ein gar kluger Gedanke für sie. Denn wenn doch einmal alles des Teufels sein muß, dann sind sie wahrlich dazu die besten. Aber höre, Alter, dazwischen klingt etwas wie Wundermäre! Bei den Jesuitern ist ein junger Pater, ich habe ihn selbst gesehen, dieser nimmt sich mit brennender Liebe der armen Hexen an, als wären es seine eigenen Schwestern. Er schwört bei allem Heiligen, es geschehe den Ärmsten allen unrecht, denn es gebe keine Hexen —«
»Was?« fuhr der Zuckerwastl dazwischen. »Solches sagt er?«
»Jawohl, das sagt er!« bestätigte der Wirt mit großem Ernste. »Und noch mehr! Er tut das mit eigener großer Gefahr, denn alle die Hochweisen am Gerichte behaupten steif und fest, solches sei helle Ketzerei, und man dürfe sowenig Hexen und Unholde leugnen als unseren Herrgott selbst, und es liefen der Hexen wohl hundert und tausend durch das Land und suchten Menschen und Vieh und alle Erdenfrucht zu verderben. Die Gestrengen sind dem Pater schon hart angelegen, er solle doch endlich Vernunft annehmen und auch wie jeder klar denkende Mensch an Hexen glauben; hätten ihn doch seine Ordensobern ebendarum vom Rheine herauf nach Würzburg gesendet, um den armen Wesen, die ganz vom Teufel besessen sind, in der letzten Stunde tröstend und erlösend beizustehen; aber der Spee ist wie aus Eisen, er biegt und beugt sich nicht; es gibt keine Hexen — das ist sein tägliches Wort, und das sagt er so sicher und fest, als sagte er einen Ausspruch aus Gottes Mund, und mit alledem steht der Pater ganz allein, niemand hilft ihm, niemand steht auf seiner Seite!«
Der Zuckerwastl machte große Augen und wiegte nachdenklich das Haupt.