Hinter zerrissenem Gewölke glänzt in mildem Scheine die silberne Sichel des Mondes. Ihr Licht fließt wie Geisterkuß an den Kirchtürmen und Häusern herab und in manches stille Gemach, wo ein Ruheloser zu ihr aufschaut. Und da kommt der leise schreitende Wächter der Nacht zu einem Fürsten, den quälende Zweifel nicht schlafen lassen, zu einem Richter, der an einem finstern Racheplan gegen den Pater Spee brütet, und zu diesem selbst, der auf den Knien liegend betet:
»Zu Gott ich hab' gerufen zwar
Aus tiefen Todesbanden;
Dennoch ich bleib' verlassen gar,
Nicht Hilf' noch Trost vorhanden.
Der schöne Mon will untergahn,
Für Leid nicht mehr mag scheinen;
Die Sterne la'n ihr Glitzen stahn,
Mit mir sie wollen weinen.
Kein Vogelsang noch Freudenklang
Man höret in den Lüften;
Die wilden Tier' trau'rn auch mit mir
In Steinen und in Klüften.«[W]
8. Kapitel: Spürhunde
»Und ich sag' Euch, es ist so!«
»Meister Gothart, Euer Wort in allen Ehren und alle Achtung vor Eueren grauen Haaren, aber was Ihr sagt, ist gar nicht möglich; eher sollen Mond und Sterne vom Himmel fallen und meine Kühe auf dem Maine grasen, als daß ich sage, ich glaube Euch!«