»Nun, so laufe ihm davon, Helena,« meinte die Alte, »wenn dein Mann dich gar so hart und schlecht hält! Solche Gauner, wie der deine einer ist, wachsen an jedem Baume; brauchst nur zu schütteln; am billigsten sind sie draußen am Galgen zu haben.«
»Mag nicht!« gab die Angeredete kurz zurück. »Nach den Schlägen, die er mir gibt, frage ich wenig; bin das Prügeln ja von Kindheit auf gewöhnt. Aber daß er schwelgt und das ergaunerte Geld verspielt, indes ich darben und hungern muß, das verzeihe ich ihm nicht! Oder meint er, weil er mich auf der Straße aufgelesen hat, sei ich nicht besser als ein Hund?«
»Mach' dir selbst Geld, windische Hopfin!« warf die Alte achselzuckend hin. »Die Dummheit der Menschen ist nicht ausgestorben, brauchst sie nur zu Silber zu machen.«
»Was meint Ihr damit?«
»Wie du einfältig bist!« höhnte die Alte. »Mache den Leuten ein bißchen Hokuspokus vor, tue dergleichen, als könntest du mehr denn Suppe essen und Äpfel von den Bäumen brocken, nimm ein geheimnisvolles Wesen an, und hundert gegen eins, die Bauernweiber geben dir Staupet und Pezen genug und machen noch dazu den Reuport weit auf.«
»Was ist das?«
»Ah, du verstehst nicht rotwelsch!« lachte die Wirtin. »Staupet und Pezen sind Mehl und Eier, und der Reuport ist der Geldsäckel. Nun gib acht! Du nimmst ein junges Birkenreis; das hängst du denen, die an den Augen leiden — gleichviel, ist's Vieh oder Mensch — um; dazu murmelst du einen Spruch, den niemand versteht, auch du selbst nicht, und du wirst sehen, immer hilft es — dir. Dann nimm ein Büchslein voll Salbe; kann Schweinefett oder sonst Talg sein; tue aber gar geheimnisvoll damit und sage, es sei Fett von ausgegrabenen Leichen, und mit dieser Salbe könnest du alle Schäden heilen. Die Esel zahlen es dir mit schwerem Gelde, wenn du ihnen ihre kranke Haut damit einschmierst. Aber vergiß auch dabei auf den Spruch nicht, denn dieser ist hier die Hauptsache! Dann, wenn du in ein Haus kommst, wo die Leute mit dem Nachbar in Feindschaft leben, so gib ihnen Stup und sage, sie sollten ihn dem andern nur getrost unter die Füße streuen, dann sterbe dieser in kurzer Zeit eines schnellen Todes; oder das Pulver kann auch dem Vieh untergestreut werden, dann fällt es davon um und verendet.«
Helena hatte der Rede der Alten aufmerksam zugehört. »Dank' Euch,« sprach sie, »Euer Rat gefällt mir gar wohl!«
»Und groß Unrecht ist auch nicht dabei,« fiel die Wirtin dazwischen.
»Ei was, Recht oder Unrecht, danach frage ich just gar nichts; das gilt mir alles gleich!«