Die Mitgefangenen sahen verwundert zu ihm herüber; nur der Neunaugen lächelte und grinste gleichgültig vor sich hin.

Spee lag auf den Knien. Seine Seele flammte und flutete auf in heißem Beten für eine Menschenseele, die, so schlecht, so tief sie auch verdorben war, doch einen Angelpunkt noch hatte, an dem die Gottesgnade goldene Fäden anknüpfen konnte. —

Zuckerwastl erhob sein Haupt und schaute in starrem Staunen dem betenden Priester in das Angesicht, über welches bittere Tränen rollten. Und unwillkürlich kehrte dann sein Blick vom Pater auf das Kreuz zurück, das er noch immer fest in seinen Händen hielt. Es mochte ein eigenes Denken sein, das durch seine Seele zog; denn über dieses wetterbraune, von einem wilden Leben und jeder Leidenschaft zerrissene Gesicht kam allmählich ein Zug von weicher Milde, und das Auge gab nicht mehr den Blick des ungesöhnten Hasses, sondern den einer wenn auch noch unverstandenen Sehnsucht.

Der Jesuit erhob sich und reichte dem Verbrecher die Hand.

»Ihr habt gebetet?« fragte dieser.

»Ja, für dich.«

»Für mich? Das ist wohl eitle Mühe.«

»Nein. Wenn du die Hand zur Versöhnung mit Gott bietest, so sei versichert, daß er dich mit unendlicher Erbarmung in seine Arme schließt.«

Zuckerwastl schüttelte traurig den Kopf.