»Willst du nicht?« fragte Spee.

»Ich weiß, daß mir der Galgen diesmal gewiß ist. Die gemordete Hofbäuerin hat mir den Strick nur gar zu fest gedreht. Dazu bin ich der Zauberei auch angeklagt, und das allein genügt für sichern Henkerstod. Soll ich nun, weil's zu Ende geht, gleich einem Hunde winselnd zu Euerem Herrgott kriechen und um Gnade bitten? 's ist zu spät! Und jener Mutter Blut und letztes Wort — Pater, das sühnt sich ewig nicht! Ich habe Euch mit rohem Trotz empfangen, als Ihr zu mir in das Gefängnis tratet. Ich zwang mich fast dazu. Als ich in Euer Auge schaute, da kam ein eigenes Rühren über meine harte Seele. — Pater, ja, ich habe eine Seele — und einen Augenblick konnte ich auch glauben, Ihr könntet Frieden für mich bringen. Aber je mehr ich meine Schuld abwäge, desto tiefer sinkt die Hoffnung — Gott kann mir nimmer gnädig sein.«

»Er ist dir gnädig und sein Erbarmen übersteigt die Größe deiner Schuld.«

»Ihr lügt!« fuhr der Zuckerwastl heftig auf. »Ihr lügt auf Gott und auf sein Erbarmen.«

Spee nahm das Kreuz aus des Gefangenen Hand und küßte es.

»Nein, Ihr lügt und frevelt nicht!« rief jener wieder aus. »Ich habe — 's ist wohl lange Zeit — auf meiner irren Wanderschaft in einer Kirche das Wort gehört: Und wären euere Sünden rot wie Blut und zahllos wie der Sand am Meere — ich will sie alle tilgen. Pater, das Wort wenn Wahrheit ist, dann gibt es auch für mich noch Versöhnung und Frieden. Ihr könnt mir beides bringen — Ihr oder keiner. Gebt mir das Kreuz! Kann ich auch nicht verstehen, was es Euch, dem Reinen, sagt, so will ich doch so lange auf dasselbe schauen, bis auch in meine Seele das Licht der Hoffnung dringt.«

Spee breitete die Arme aus, den Sünder zu umfangen und zu küssen.

— Das ist ja Priesterglück, verlorene Seelen retten! —

»Und ihr?« sprach der Jesuit, sich zu den andern wendend. »Wollt nicht auch ihr den Weg des Friedens gehen?«