Es hieß, er wäre zwei Tage ausgeblieben, heute morgen aber für einen Augenblick im Hotel aufgetaucht und sogleich zur Arbeit gegangen.
Jetzt erst fiel mir Sinaïda ein. Vielleicht ist sie gar nicht tot. Beschitzer hat ihren Namen ausgestrichen. Dafür gibt es manchen Grund. Sie lebt gewiß. Und er, vielleicht ist er nichts als ein alter Träumer, der die Welt nicht kennt. Und doch! Welche mächtige Organisation hat dieser Träumer hinter sich, da es ihm gelungen ist, jenen Zettel in mein Brot backen zu lassen. Also muß er in Verbindung mit der ärarischen Bäckerei stehen, muß einen Mann haben, der dieses eine Brot von der Pyramide wegstiehlt, zum Garnisonspital bringt und dort dem Wärter übergibt, der auch mit im Spiele sein muß.
Aber die Zarenreise? War sie Wahrheit, war sie Phantasterei verhungerter Gehirne?
Lebt Sinaïda? Ist sie denn überhaupt zu Boden gesunken? Nein! Das habe ich nicht gesehen. Sie lebt!
Aber wie ferne war mir dies alles. Habe ich sie denn jemals im Leben gesehen? War ich jemals mit Russen, Spielern, Opiumrauchern beisammen gewesen? Wer weiß? Ich habe schon ganz andere Dinge geträumt.
Russen, Spieler, Opiumraucher — das hatte ich doch schon einmal geträumt! Aber ganz gewiß. Und der Schlitzäugige! Auch von ihm hatte ich geträumt. Sicherlich! Wann? Gleichviel!
Sinaïda lebt, oder — hat überhaupt niemals gelebt. Wie wenig aber bedeutet das für mich, hatte ich doch eine Aufgabe, eine wichtige, endgültige Aufgabe ganz andrer Art, denn meine Wange brannte, brannte!
Ich trat in ein Restaurant, um mich zu stärken. Kaum aber hatte ich ein Paar Löffel Suppe zu mir genommen, mußte ich hinaus und mich übergeben!
So also ging es nicht. Gott war streng und forderte das Gelübde der Enthaltsamkeit von mir, bis ich’s vollbracht haben würde.
Ich trieb mich wieder in den Straßen umher. Noch war die Zeit nicht gekommen. Wenn ein höherer Offizier mir begegnete, fuhr ich mit meiner Hand empor, um zu salutieren und nestelte dann verlegen an der Krämpe meines steifen Hutes.