Ich saß zwischen Chaim und Sinaïda.
Jeder murmelte leise mit seinem Nachbarn.
Ich hielt die Hand Sinaïdas; sie entzog sie mir nicht: „Alles, was Sie mir heute erzählt haben, zeigt mir, wie viel tiefer im Leben Sie sind, welch’ einen Vorsprung Sie vor mir voraus haben. Was war ich denn? Ein kleiner, gekränkter, rachsüchtiger Feigling. Aber jetzt? Jetzt ist mir, als könnte ich tausend Meter hoch springen, fliegen und durch Mauern dringen, wie ein Engel. Ich will leiden, jedes Leiden auf mich nehmen, nur um Ihnen zu gleichen!
Sie wissen nichts von mir. Sie wollen gewiß auch nichts von mir wissen. Jetzt aber nehme ich Abschied von Ihnen für ewig. Denn ob es mir gelingt oder mißlingt, ich habe mein Leben fortgeworfen und werde es höchstwahrscheinlich in kurzer Zeit lassen müssen. Aber daß es so ist, erfüllt meine Seele mit Glück. Denn wer bin ich, um Ihnen nahe kommen zu dürfen?“
Sie zog fein ihre Hand zurück und sagte: „Es ist gut, daß wir voneinander Abschied nehmen müssen. Mir fehlt ja alles, das Wichtigste. Wem kann ich noch etwas sein?“
Ich hörte einen Klang in ihrer Stimme, der sich mir entgegenneigte. Und dennoch, alles war so hoffnungslos.
Plötzlich krampfte sich ihre Hand zur Faust.
Sie flüsterte wie geistesabwesend:
„Tun Sie es nicht! Überlassen Sie es Hippolyt, überlassen Sie es Jegor!“...
Dann, als wüßte sie nicht, was sie eben gesagt hatte, gleichmütig: