Der Hauptmannrechnungsführer war des Morgens schon aus dem Zimmer weggebracht worden. Nun gehörte der große Raum mir ganz allein. Der Arzt hatte heute sich recht lange mit mir befaßt, den Schädel abgetastet, meine Augen, meine Kniereflexe untersucht und am Schluß die Frage gestellt, ob ich durch keine Magenübelkeiten gequält werde, nicht Ohrensausen und Gesichtsstörungen verspüre? Nein, nein! Dies alles nicht! Im Gegenteil! Meine Beine schlenkerten und tanzten in den Gelenken. Ich fühlte mich leicht, göttlich leicht! — Und dann dieser neue, nie gekannte Enthusiasmus in meiner Seele. Den aber verschwieg ich klüglich dem Doktor. Ich allein genoß ja diese Erhabenheit, diese Stromschnelle der Gedanken. Immer ging ich auf und ab, und es waren Wolken, auf denen ich ging.

Ich werde ihm gegenüberstehen und die Wahrheit sagen. Was ist Wahrheit, fragt wohl Pilatus. Ich aber weiß wenigstens, was die Wahrheit ist, für die ich sterben will. Ach, nicht das, was alle Menschen glauben werden. Kein kleines Geständnis, etwa, daß man den Zaren ermorden wollte, oder die tote Sinaïda liebt. (Ist sie tot? O Gott!) Anders ist meine Wahrheit.

Ich werde diesem General, diesem Vater sagen... Was denn?

Nun, die Wahrheit.

Ich werde solche Sätze zu ihm sprechen: Der Himmel ist blau. Schwalben schießen durch die Luft: Nachtfalter fliegen ins Licht. — — Das sind meine Wahrheiten, und wer sie erkennt, muß sich ja auf die Erde werfen vor zielloser Liebe.

Ja, ihr habt mich alle verstoßen, weil ich häßlich bin und ein recht mittelmäßiger Offizier, da hielt ich mich an die Gaststube der Frau Koppelmann und überließ mich der Führung eines Taubstummen. Und ich trat unter die Lumpen, die Opiumraucher und die Heiligen.

Das tat ich, weil es mir nicht gefiel, am Sonntag mit meinem Herrn Vater auszureiten, mit ihm, der mich immer so böse traktiert hat, wenn ich vor ihm beweisen wollte, daß auch ich Wer bin! Und nun soll er selbst krank sein!

Aber gleichviel!