Er erzählte übrigens selten von seinen Heldenthaten. Nur dann und wann vermochte ihn ein guter Freund zur Mittheilung seiner Erlebnisse zu bewegen. Zuweilen gedachte er dabei mit Seufzen der blutigen Jahre. Manchmal pries er wieder jene große Zeit.
Schmiedel hatte also dem Vaterlande oft große Dienste geleistet. Er hatte demselben mitunter große Opfer gebracht. Und jetzt? Jetzt mußte er täglich in nächtlicher Stille das Dorf bewachen. Jetzt mußte er Nacht für Nacht die einsame Runde machen. Nicht über zwölfmal das ganze Jahr hindurch hatte er eine Nacht frei. Und welches war sein Gehalt? Er erhielt allmonatlich vier Thaler. Das macht jährlich achtundvierzig Thaler.
So ist gewöhnlich Undank der Welt Lohn. Die einstigen Thaten der heldenmüthigen Krieger werden nicht selten später vergessen.
124. Moses.
(Wiederholung aller Zeitbestimmungen.)
Der kleine Moses war lange das Angstkind seiner Eltern. Seine Mutter hielt ihn geraume Zeit versteckt. Sein kindliches Weinen erfüllte sie gewiß sehr oft mit Zittern. Es konnte ja jeden Augenblick von den ägyptischen Kindesmördern gehört werden. Um sein Leben wäre es dann geschehen gewesen.
Seit Wochen schon mochte die geängstigte Mutter über einen Rettungsplan nachdenken. Nächtelang mochte sie darüber sinnen. Täglich mochte sie den lieben Gott um einen glücklichen Gedanken bitten.
Der Knabe entwickelte sich bereits merklich. Seine Stimme wurde von Tag zu Tag heller. Noch immer aber fand die arme Mutter keinen Rettungsweg. Und so steigerte sich fast stündlich ihre Sorge um sein Leben. Durchstreiften doch Pharao’s Knechte wiederholt die israelitischen Hütten.
Da endlich kam der Geängsteten ein glücklicher Gedanke. Er sollte auch sogleich ausgeführt werden. Sie holte alsbald Weidenruthen herbei. Schon nach wenig Stunden war ein Körbchen geflochten. Darauf klebte sie es mit Pech aus. Jetzt füllte sie es zur Hälfte mit Stroh. Und so stand die seltsame Wiege bald fix und fertig da.
In dieses Körbchen legte nun die Mutter ihren Liebling. In aller Frühe des nächsten Tages erblickte man es zwischen dem hohen Grase des Nils. Gerade an dieser Stelle kam ja selten ein Aegypter vorbei. Nur die menschenfreundliche Königstochter nahm gewöhnlich ihren Spaziergang in diese Gegend. Ueberdies mußte auch die Schwester des Knaben unausgesetzt Wache halten. Sie mußte fortwährend nach dem Kleinen sehen. Auch sollte sie zuweilen der Mutter über sein Befinden berichten. Ueberdies sah die Mutter gewiß selbst manchmal nach ihm.