Er kann nie des Entzückens über eine reizende Landschaft, nie des Jubels über das herrliche Farbenspiel eines Regenbogens, nie auch der ergreifenden Gemüthsbewegung bei dem Anblicke wildzuckender Blitze theilhaftig werden. Auf jedem seiner Wege muß er stets seiner Unsicherheit und Hülflosigkeit eingedenk sein. Er muß jeden Laut, jedes kleine Geräusch beachten. Nur selten kann er des Stockes oder einer leitenden Hand entbehren.
Ein solcher Unglücklicher verdient daher unser Mitleid, unsere herzlichste Theilnahme, unsere Unterstützung. Man muß natürlich an jedem Unglücklichen, ganz besonders aber an dem Tauben, Stummen und Blinden Barmherzigkeit üben. Ein diese Pflicht Vergessender ist weder unserer Achtung und Liebe, noch des Christennamens und der Gnade Gottes würdig.
9. Eine Landplage.
(Mehrere Ortsbestimmungen. Verhältnißwort.)
Sowohl in Ungarn als auch in Serbien und Bosnien hausten ehedem sehr gefährliche Räuberbanden. Ihre Schlupfwinkel befanden sich in den dortigen Gebirgen und Wäldern. Ihre Lager schlugen sie in Höhlen und Felsenkesseln auf.
Weder in den Städten, noch in den Dörfern war man vor diesem rohen Gesindel sicher. Einzelne der kühnen Gesellen wagten sich sogar am hellen Tage auf die Marktplätze, auf öffentliche Vergnügungsorte und in die Gotteshäuser. Kein Reisender konnte auf Wegen und Straßen für sein Leben unbesorgt sein. Immer mußte er ängstlich vor, neben, um und wol auch hinter sich blicken. Konnte ja doch jeden Augenblick ein solcher Wegelagerer aus einem Dickicht, hinter einer Felsenecke oder aus irgend einer Vertiefung hervorgesprungen kommen. Konnte ja doch auf jedem Schritte das tödtliche Rohr für ihn schon an einem Baumstamme, auf einem Erdhügel oder auf einer Felsenkante angelegt sein.
So war aller Verkehr diesseits und jenseits der Donau höchst unsicher gemacht. Nur mit Hülfe des Militärs vermochte man endlich dem Unwesen zu steuern.
Ganze Compagnien mußten in Bergen und Thälern umherstreifen. Nach Süd und Nord, nach Ost und West gingen einzelne Abtheilungen. Diese bewaffneten Männer spähten unter jeden Haufen dürrer Blätter, hinter jeden Steinblock, in jede Felsenspalte, nach jedem kleinen Thalkessel.
Viele von den Räubern wurden in ihren Verstecken oder auch im freien Walde gefangen. Man führte sie zunächst auf die Militärwachen oder auch sofort in die Gefängnisse. Viele der Raubgesellen fanden ihren Tod auf der Stelle oder später am Galgen. Andere wurden lebenslänglich in die Zuchthäuser oder in andere Strafanstalten geschickt. Einzelne Räuberhäuptlinge büßten ihr verbrecherisches Leben bis an dessen Ende theils in unterirdischen Gefängnissen, theils in stockfinstern Festungszellen.
Die Bewohner der dortigen Gegend aber athmeten nun wieder freier unter ihren Dächern und auf ihren Wanderungen.