Ein Staar und ein Sperling stritten sich um den Besitz eines Nistkastens. Derselbe bot allerdings nicht blos alle mögliche Bequemlichkeit, sondern auch viel Raum. Zudem hing er hoch und sicher. Sowohl während der Früh- als der Mittags- und der langen Nachmittagsstunden konnte ihn die Sonne bescheinen. Somit erschien er den beiden Vögeln zum Brüten und zur Kinderzucht außerordentlich geeignet. Beide setzten daher auch für die Eroberung desselben Blut und Leben ein.

Der Kampf wurde mit Wuth und Erbitterung geführt.

Bald schlugen, hackten und bissen sich die hitzigen Gegner auf den Aesten und Zweigen, bald auf dem Dache des Nistkastens, bald auf dem Rasen des Gartens umher. Graue und schwarze Federn wirbelten zahlreich nach links und rechts. Wuth und Schmerzgeschrei zeterte durch die Luft. Eine Menge anderer Vögel eilte theils aus Neugier, theils vor Schreck herbei.

Wol drei bis fünf Minuten dauerte die entsetzliche Fehde. Erschöpft und blutend ergriff endlich der Staar die Flucht. Der allerdings auch verwundete und schrecklich zerzauste Spatz aber zog triumphirend und fast wie hohnlachend in das eroberte Luftschloß ein.

Wollt ihr ihn etwa ob seiner Heldenthat schmähen oder verurtheilen?

26. Die Erzväter.

(Desgleichen.)

Abraham, Isaak und Jakob waren Erzväter. Sie alle führten nicht blos zum Scheine, sondern in Wahrheit ein frommes, gottesfürchtiges Leben. Weder Glück noch Unglück vermochte ihre Gottestreue wankend zu machen. Sie standen nicht allein in ihrer Familie, sondern auch in ihrer weiteren Umgebung als wahre Muster im Gehorsam, in der Demuth und im Gottvertrauen da. Die Israeliten zollen ihnen darum noch heute große Achtung und Verehrung.

Alle drei Männer standen aber auch unter besonderem Schutze und in besonderer Gnade Jehovah’s. Er segnete sie mit leiblichen und geistigen Gütern. Mit Muth und Kraft wußten sie daher stets Leid und Trübsal zu ertragen. Mußte doch Isaak noch in seinen alten Tagen und besonders während seiner Blindheit bittern Undank und schmachvolle Täuschung erfahren. Welch tiefes Herzeleid und welch unendliches Weh mußte Vater Jakob infolge des Neides und der Rachsucht seiner eigenen Kinder empfinden! Immer indeß führte ihr Herr und Gott jene Männer durch Kummer, Noth und Thränen zu neuer Freude, neuem Glücke.

Die Lebensgeschichten dieser Gottesmänner sind im lieben, heiligen Bibelbuche ebenso getreulich als auch ausführlich niedergeschrieben. Sie zu lesen und zu erwägen ist für Kopf und Herz heilsam.