Hier warf man Reifen, und dort schob eine kleine Gesellschaft Kegel. Eine Anzahl Mädchen spielten Blindekuh, auch das Topfschlagen wurde nicht vergessen. Der kleine Heinrich jagte einen großen Reifen im Garten umher, und der dicke Otto ließ einen bunten Kreisel tanzen. Julchen fuhr einen schönen Puppenwagen, und Marie beschäftigte sich mit allerhand Blumen.
Mitten über dem Garten schwebte ein riesiger Drache, außerdem ließ der Kaufmann auch noch kleine Luftballons steigen.
Bei all dieser Lust entstand weder Streit unter den zahlreichen Gästen, noch bemerkte man ein ausgelassenes Verhalten.
Die Kühle des spätern Nachmittags machte endlich dem fröhlichen Treiben ein Ende, zudem nöthigte auch die sinkende Sonne die fremden Gäste zum Nachhausegehen.
So verstrich das heitere Fest in ungetrübter Freude, und allen Theilnehmern blieb es noch lange in freundlicher Erinnerung.
40. Abend.
(Desgleichen.)
Die Sonne ging unter, und Dämmerung senkte sich auf die Erde nieder. Am Westhimmel strahlte ein leichtes Purpurgewölk, und aus den Fenstern der Berghütte blitzte der Wiederschein des herrlichen Abendgoldes. Der Lerchengesang verstummte, ebenso verhallten die Lieder des Waldes.
Die Heerden zogen still nach ihren Ställen, und die Feldarbeiter schritten ermüdet nach ihren Hütten. Traulich tönte die Abendglocke vom Kirchlein herüber, und manches fromme Herz ward durch diesen Ruf zum Gebet gestimmt.
Immer länger dehnten sich die Baumschatten auf dem Rasen dahin, und immer dichter wob die Dämmerung ihren düstern Schleier. Ueber den Blumen flatterten bereits die fahlen Nachtschmetterlinge, und in den Gehöften begannen die Fledermäuse ihren geisterhaften Kreisflug. Immer stiller ward es rings umher, und immer tiefere Ruhe senkte sich auf die müde Erde.