Seine Arbeiten waren oft von einer Beschaffenheit, die den Lehrer in Aufregung versetzte. Oft brachte er Exempel, die er nicht selbst gerechnet hatte. Zuweilen lieferte er einen Aufsatz ab, der durchaus nicht aus seiner Feder geflossen war. Nicht selten legte er Zeichnungen als die seinigen vor, die fremde Hände ausgeführt hatten.

Er war demnach ein Schüler, der log. Er war ein Mensch, der betrog.

Natürlich erhielt Theodor Strafen, die sehr empfindlich waren. Er bekam Censuren, die fast nicht schlechter sein konnten.

Der Lehrer wies ihm endlich einen Platz an, der ihm zur großen Schande gereichen mußte. Theodor’s Hände mußten zuletzt sogar Bekanntschaft mit dem Dinge machen, das man gewöhnlich nur zum Linienziehen verwendet. Trotzdem aber blieb er ein Schüler, der für die Schule ein Kreuz war.

61. Ein muthiger Knabe.

(Der Beifügesatz in der Mitte.)

Ein Knabe, der im Walde Beeren suchte, fühlte Hunger. Er setzte sich deshalb unter einer Eiche, die mit ihren riesigen Aesten viel Schatten bot, nieder. Ein Stück trockenes Brod, das er aus der Tasche zog, diente ihm als Mahl. Die Beeren, die er bereits gepflückt hatte, rührte er indeß nicht an.

Bald war die höchst einfache Mahlzeit, die ihm jedoch vortrefflich gemundet, beendet. Da fühlte er plötzlich an dem einen Fuße, den er an einen Stein gestemmt hielt, einen stechenden Schmerz. Fast zu gleicher Zeit huschte eine Otter, die er sofort für die Kreuzotter erkannte, unter den Stein.

Der Knabe, der sich sofort von der Natter gebissen hielt, erschrak über die Maßen. Ihm war die Gefahr, die aus einem solchen Bisse entsteht, aus der Naturgeschichte bekannt. Ihm war aber auch das Mittel, das hier allein retten konnte, nicht verborgen.

Er führte den Fuß, der bereits zu schwellen begann, an den Mund. Hierauf nahm er die verwundete Stelle, die nur unbedeutend blutete, zwischen die Lippen. Nun fing er mit aller Kraft, die seine Lungen gestatteten, zu saugen an. Das Blut, das er auf diese Weise in ziemlichen Massen aussog, spuckte er natürlich aus.