Als die Sonne zu sinken begann, rückten wir in N. ein. Sobald die nöthigen Befehle für die nächste Nacht verlesen waren, ging das Bataillon auseinander.
Kaum war ich zwei Minuten weit gegangen, stand ich vor meinem Quartier. Ich klopfte so lange an, bis sich mir die Thür des einfachen Dorfhauses öffnete.
Während ich mein Gepäck ablegte, brummten meine Wirthsleute einige unwillige Worte. Ihr Widerwille steigerte sich noch, als ich endlich zu essen begehrte.
Indeß endlich die Wirthin einige karge Lebensmittel herbeibrachte, trat ihr vierjähriges Töchterchen zu mir. Seitdem wir die französische Grenze überschritten hatten, war mir noch kein so hübsches Kind vorgekommen.
Ich nahm das Kind auf meinen Schooß und liebkoste es in der väterlichsten Weise. Sowie die Wirthin dies sah, veränderten sich auf einmal ihre zeither so mürrischen Gesichtszüge. Währenddem ich nun vollends dem lieben Kinde die Stirn küßte, verklärte sich ihr Gesicht in ein glückliches Lächeln.
Wie staunte ich indeß, als sie plötzlich das dürftige Abendbrod wieder entfernte. Indem ich aber noch über dieses seltsame Gebaren nachdachte, trat sie auch schon mit einem großen Teller höchst appetitlicher Speisen an den Tisch.
Schon wollte ich zulangen, als die Wirthin mir Einhalt gebot. Noch aber hatte ich meine Gabel kaum wieder hingelegt, brachte der Wirth eine Flasche köstlichen Wein herbei. Jetzt erst sollte ich mir es wohlschmecken lassen.
Die beiden Wirthsleute blieben meine freundlichen Nachbarn, solange ich aß. Als ich sie den nächsten Morgen verließ, erhielt ich von ihnen noch einen halben Schinken auf den weiten Marsch.
Seit ich dieses einfache Dorfhaus verließ, habe ich nie wieder ein so gutes Quartier gefunden.
b. Ungleichzeitigkeit.