Hören wir nun, was die Sage über das Lebensende dieses Grausamen berichtet: Kurz nach dieser fluchwürdigen That zogen in die Burg, die Hatto bewohnte, eine unerhörte Menge Mäuse ein. Wo man nur hinsah, wimmelte es von diesen Thieren.
Wie entsetzlich dies dem Erzbischof sein mußte, läßt sich leicht denken. Je mehr er aber das Ungeziefer verfolgen ließ, desto zahlreicher wurde es.
Um sich diesen Feinden zu entziehen, siedelte er in die Stadt Bingen über. Aber auch hier wurde es wieder, wie es gewesen war. Die Mäuse, die sich einmal gegen ihn verschworen zu haben schienen, folgten ihm auch hierher. Von ihnen aufs neue gequält, sann er abermals auf Rettung.
Endlich hatte er einen Plan, wie er sich vor der Höllenschaar unzweifelhaft sichern könnte, entworfen. Da, wo sich der Ruppertsberg im Rheine spiegelt, ließ er sich einen kleinen Thurm mitten in dem Strome erbauen. „Dort muß ich doch endlich vor den Bestien Ruhe haben“, dachte er bei sich.
Als der Thurm vollendet war, segelte Hatto auf einem Nachen hinüber. Daß freilich die Mäuse auch schwimmen können, hatte er nicht bedacht.
Ihr Rächeramt zu vollenden, ruderten sie in zahlloser Menge dem Thurme zu. Bald war derselbe, der an sich nicht viel Räumlichkeiten bot, von ihnen überschwemmt.
In diesem Thurme aber wurde Hatto — so berichtet eben die Sage — von den Mäusen endlich aufgefressen. Der Thurm, in dem dies geschehen sein soll, steht übrigens heute noch. Man nennt ihn, eingedenk der Sage, den Mäusethurm.
F. Mehrfach gegliederte Sätze etc.
122. Gellert.
(Alle Arten Sätze.)