Gellert war ein Dichter. Er wurde am 4. Juli 1715 in dem damals ziemlich kleinen sächsischen Städtchen Hainichen geboren. Sein frommer und darum hochgeachteter Vater war Pfarrer daselbst. Sowohl der Vater als auch die Mutter erzogen ihren Knaben sehr streng.

Gellert versuchte sich bereits in früher Jugend in der Dichtkunst und über manches seiner kleinen Lieder konnte sich sein Vater schon freuen. Das erste größere Gedicht, welches er seinem Vater zu dessen Geburtstag überreichte, erregte sogar einiges Aufsehen.

Gellert studirte. Nach dem Wunsche seines frommen Vaters sollte er sich zu einem tüchtigen Prediger ausbilden. Gellert aber zeigte weder besondere Lust zu dem geistlichen Stande, noch schien er sich für denselben besonders geeignet zu halten. Der junge Mann hatte jedenfalls ein richtiges Urtheil über sich, denn schon in seiner ersten Begräbnißrede blieb er stecken.

Nachdem ihm seine Schriften einen besonderen Ruf erworben, trat er als Lehrer in einer höheren Schule auf. Seine Vorträge gefielen. Wegen seines lauteren Charakters genoß er unter der studirenden Jugend bald die größte Achtung.

Seine Oden, geistlichen Lieder und Fabeln erlangten die allgemeinste Anerkennung. Seine frommen Lieder werden noch heute in den Kirchen gesungen und an seinen lehrreichen Fabeln ergötzt sich noch heute die Kinderwelt.

Was Gellert geschrieben, ist in sechs starken Bänden der Nachwelt aufbewahrt.

123. Geistesgegenwart.

(Desgleichen.)

In einem großen, schönen Garten, welcher dicht an einer Straße, die nicht eben sehr belebt war, lag, befanden sich eines Tages drei Geschwister. Sie hatten sich hier eingefunden, um sich zu erholen und sich zu gleicher Zeit angenehm zu beschäftigen.

Paul, der Zwölfjährige, beschnitt mit seinem scharfen Taschenmesser ein wildes Obstbäumchen, damit seine Krone eine bessere Form erhalten sollte. Wo der Weg nach einem kleinen Hügel führte, kauerte Bertha, die zehn Jahre zählte, vor ihrem Blumenbeete, Nelken und Tausendschönchen pflanzend. Wilhelm, erst im siebenten Lebensjahre stehend und in der Familie gewöhnlich der Wilde genannt, zimmerte vor einer duftenden Jasminlaube aus den braunen Bretchen eines Cigarrenkastens, die ihm der Vater geschenkt hatte, ein Segelschiff.