126. Hier und dort.

(Desgleichen.)

Wer die verschiedenen Schicksale der Menschen beobachtet, den Lebensgang einzelner verfolgt, ihren sittlichen Werth mit ihrem äußeren Loose in Vergleich zieht, der wird manche Frage aufzuwerfen haben.

Er sieht da oft, wie der Fromme im Elend schmachtet und wie das Laster im Ueberflusse schwelgt, wie man den Verdienstvollen zu Boden sinken läßt und den Unwürdigen erhebt, wie man einen Ehrenmann über die Schultern ansieht, vor dem Ehrlosen aber einen tiefen Bückling macht.

Ein solcher Beobachter fragt dann still für sich: „Wo bleibt hier die Gerechtigkeit? Womit haben jene Braven ihr bitteres Geschick verdient? Warum folgt die Strafe der Sünde nicht auf dem Fuße?“

Nur dort oben, wo hoch die Sterne stehen, woher alles Licht uns zuströmt, wohin die Erdenpilger einst alle eingehen müssen, sucht er des Räthsels Lösung. Der Glaube an den Allvater, der Gerechtigkeit lieb hat, der Jedem nach seinem Thun vergelten will, dessen Gedanken freilich hoch und dessen Wege wunderbar sind, hilft ihm über das Dunkel dieses Lebens hinweg.

Hat doch auch Christus, um jenen Zweifelfragen zu begegnen, den unschuldig Leidenden zu trösten und überhaupt den Blick in das Jenseits einigermaßen zu lichten, das „Hier und dort“ in dem Gleichnisse vom armen Lazarus vortrefflich beleuchtet.

127. Das Turnen.

(Desgleichen.)

Wer seinem jugendlichen Körper eine heilsame Bewegung verschaffen, seine Muskelkraft gleichmäßig ausbilden und seinem ganzen Menschen eine sichere Haltung verschaffen will, der muß turnen. Was das Turnen nützt, wie es stärkt und belebt und wie es sogar den Geist frischer macht, wissen gar viele Menschen noch gar nicht.