(Desgleichen.)

Man glaubt gar nicht, was in einem einzigen Samenkerne, den wir vielleicht mit Füßen treten, für Wunder enthalten sind.

Du weißt z. B., daß ein Apfel, der die gehörige Reife erlangt hat, sechs bis acht braune Kerne enthält. Du erinnerst Dich, wie einfach ein solcher Kern, der noch dazu ziemlich klein ist, aussieht.

Nun aber bedenke, daß in ihm eigentlich schon der zukünftige Apfelbaum, dessen breitarmige Aeste später einen geraumen Theil des Gartens beschatten, enthalten ist. Es bedarf von Deiner Seite weiter nichts, als daß Du ihn in die Erde, die natürlich kein unfruchtbarer Boden sein darf, legst.

Was er zu seiner Entwickelung, die dann geheimnißvoll vor sich geht, nöthig hat, verleiht ihm die gütige Natur. Nach nicht allzulanger Zeit bemerkst Du, wie sein zarter Keim, hellgrün von Färbung, die Erdrinde, die sogar etwas fest sein kann, durchbohrt. Bald siehst Du dann, daß sich aus der grünen Spitze ein Blättchen, das schon ziemlich die Form der künftigen Baumblätter zeigt, entwickelt.

Die weitere Ausbildung zum Stämmchen, die nun vor sich geht, ist es werth, von Dir beobachtet zu werden. Wer dergleichen Vorgänge in der Natur, die eben ein großes Wunderreich ist, mit Aufmerksamkeit verfolgt, dem muß ein Licht über die Größe des Schöpfers, dessen Kraft alles Geschaffene durchdringt, aufgehen.

130. Eine Wohlthäterin.

(Desgleichen.)

Barbara Uttmann, die unvergeßliche Wohlthäterin des sächsischen Erzgebirges, wurde 1514 — also noch vor der Reformation — geboren. Sie verheirathete sich mit einem Bergherrn, welcher den Namen Uttmann führte und in der Nähe von Annaberg, der Berg- und Gebirgsstadt, mehrere Grubenwerke besaß.

Das Klöppeln erlernte Barbara — wie man gewöhnlich annimmt — von einer Brabanterin, welche um ihres protestantischen Glaubens willen aus ihrem Vaterlande, in dem der Katholicismus die Oberhand hatte, vertrieben worden war. Um diese Kunst, die zu jener Zeit gut lohnte, weiter zu verbreiten, lehrte sie Barbara Uttmann, ohne aber irgendwie Bezahlung dafür zu nehmen, zunächst den Mädchen und Frauen Annabergs.