„Wolltest Du nicht auch Deine Tante in Berlin einmal besuchen?“ versetzte Horst wieder.
„Dies Jahr noch nicht“, entgegnete Bernhard. „Uebers Jahr aber werde ich mir so viel Geld gespart haben, daß ich diese Reise unternehmen kann.“
48. Aus einem Tagebuche.
(Die Aussageweise.)
Ich stand um sechs Uhr auf. Ich glaubte, es regne, es war indeß blos der Wind, der an den Giebel blies. Wenn es wirklich geregnet hätte, würde ich mich auch geärgert haben. Mein Vater sagte nämlich gestern Abend noch: „Kinder! Morgen früh zeitig aus den Federn! Ja nicht verschlafen! Ihr sollt mit mir in die Heidelbeeren gehen.“
„Ach, wäre doch nur ein schöner Morgen!“ dachten wir in unserer Freude. „Schiene doch die Sonne morgen früh recht klar und freundlich hernieder!“ sagte Bruder Johannes beim Zubettgehen noch.
Der Morgen war schön. Wir alle hofften, im Walde einige frohe Stunden zu verleben. Wir hätten schon um sieben Uhr aufbrechen können, wäre Eduard nicht so saumselig mit seinem Anziehen gewesen.
„Jetzt die Botanisirtrommel auf den Rücken und vorwärts!“ befahl endlich der Vater.
Wie lustig hüpften wir dahin! Wie freuten wir uns auf das Frühstück mit blauen Beeren! „Wären wir nur schon dort!“ sagte Johannes wiederholt unterwegs.
Endlich langten wir im Walde an. Zu unsern Füßen stand der saftige Frühstückstisch. Man glaubte, einen mit schwarzen Perlen gestickten grünen Teppich zu erblicken. Wir würden sofort an die süße Arbeit gegangen sein, hätte nicht der Vater jetzt gerufen: „Halt! Erst fünf Minuten abkühlen!“ — Wie sehnsüchtig blickten wir alle nach den herrlichen Beeren hin! „Daß doch die fünf Minuten schon um wären!“ wünschten wir alle.