Endlich begann der Schmaus. Jeder aß nach Herzenslust. Ich meinte anfänglich, ich äße die meisten Beeren, aber Eduard war doch noch fleißiger. Er sagte auch scherzend: „Wenn es möglich wäre, äße ich einen ganzen Scheffel voll!“
Nach etwa einer Stunde mochte der Vater meinen, wir könnten nun genug haben. „Jetzt Schicht!“ befahl er. „Alle her zu mir! Keine Beere mehr anrühren!“
Wir gehorchten. Johannes aber sagte mit einem tiefen Seufzer: „Ach, hätte ich nur noch fünf Minuten zulangen dürfen!“ Der Vater hatte dies gehört und erwiderte: „Wollte doch Monsieur Johannes einsehen, daß allzuviel ungesund ist!“
49. Ein Sommertag.
(Mittelwort der Gegenwart.)
Es war ein reizender Julitag. Auf den weithin sich dehnenden Wiesen lag duftendes Heu. Singende Schnitter mähten mit ihren blitzenden Sensen die wogenden Kornfelder. Hier trabten wiehernde Rosse mit einem leeren, rasselnden Erntewagen daher. Dort fuhr ein anderer, die goldglänzenden Garben hochaufgethürmt, langsam und mit schwankender Bewegung der Scheune zu. Ueberall sah man eifrig arbeitende und emsig schaffende Landleute mit glühenden Gesichtern und schweißtriefenden Stirnen.
An den noch grünenden Hügeln weideten blökende Heerden mit lieblich tönenden Glocken. In dieses anheimelnde Geläute mischte sich das jodelnde Lied und die knallende Peitsche der Hirten. Aus dem unzählige Früchte bergenden Walde erklangen die jubelnden Stimmen der eifrig pflückenden Heidelbeergänger.
Um die bunt leuchtenden Blumen auf den Rainen und an dem murmelnden Bache tanzten flatternde Falter, schwirrten schillernde Käfer, summten Honig suchende Bienen.
Ueber dem Allen aber schwebte am lachenden Himmel die trillernde Lerche, den allliebenden Schöpfer preisend, dessen segnende Hand die nährenden und erquickenden Gaben alle gespendet.