In einem düsteren Waldgrunde stand seit langer Zeit eine Mühle. Sie lehnte mit ihrer Rückseite an einem kleinen Hügel. Eine alte Linde breitete ihre schattigen Aeste über sie hin. Vor der Mühle lag ein kleines Blumengärtchen. Oberhalb derselben, mehr nach einem Felsen zu, erblickte man zwischen Gebüsch einen Teich, aus dem sich ein Bächlein unter dumpfem Gemurmel hervorschlängelte. Es eilte in raschem Laufe auf die Mühle zu. Dort stürzte sich sein Wasser mit ziemlichem Geräusche über das Mühlrad und setzte dieses, vermöge seiner Schwere, in Bewegung.
Das Mühlrad klapperte ohne Ruh und Rast bei Tag und Nacht. Nur am Sonntage, um der Sabbathfeier willen, stand es still. Laut einer Verordnung hätte sonst der Müller vor Gericht Strafe zahlen müssen.
Viele Stunden im Umkreise gab es kein Haus. Des Müllers Kinder waren ohne alle Kameraden. Selten traten sie aus dem Thale hinaus. Die Blumen am Bachrande waren ihre Bilder, die Fischlein im Wasser und die Käfer auf und unter den Blumen ihre Gespielen, die Vöglein innerhalb des Thales ihre Singlehrer.
Im Winter kamen sie selten aus der Stube. Sie nähten dann Säcke aus grober Leinwand für ihren Vater. So führten sie während des Sommers und Winters ein einsames Leben. Und doch hingen sie mit ganzem Herzen an ihrem Vaterhause und hätten um keinen Preis dasselbe mit einem andern vertauscht.
Als der Müller eines Tages von dem Nachbardorfe kam und sagte, er könne jetzt die Mühle für ein gutes Geld verkaufen, stellten sich alle Kinder um ihn her, faßten ihn an der Hand und baten unter Thränen, er solle doch das nicht thun. Sie würden, wenn sie aus der Mühle fortmüßten und außerhalb des stillen Thales leben sollten, unglücklich sein.
Diesen dringenden Bitten zufolge versprach auch der Müller, die Mühle zu behalten. „Nein“, sagte er nach kurzem Besinnen, „ich will nicht gegen Eure Wünsche handeln, aus purer Liebe zu Euch. Wegen eines irdischen Gewinnes soll Euer Glück nicht gestört werden.“
Das Bindewort.
68. Ungleiche Brüder.
(Zusammenstellende Bindewörter.)
Melchior und Sebastian waren Brüder. Melchior beschäftigte sich mit Allerhand, was ihm gut lohnte. Er besserte Körbe aus, auch flocht er zuweilen neue. Zudem strich er Fenster- und Thürstöcke, außerdem auch Möbel an. Ueberdies half er im Sommer nicht selten in der Ernte. Schließlich schämte er sich auch nicht, einmal sogar den Dreschflegel in die Hand zu nehmen. Wo er arbeitete, war man sowohl mit seinem Fleiße als auch mit seiner Geschicklichkeit zufrieden. Weder Wind noch Wetter konnten ihn abhalten, einmal übernommene Dienste auszuführen.