Leider gesellte sich zu diesen Fehlern bei dem Peter auch noch die Unart zu necken und zu schimpfen und die Neigung zu lügen.

Eines Tages ließ der Lehrer den Knaben zu sich kommen und sagte zu ihm: „Peter, mein Beruf zu erziehen und meine Pflicht zu bilden werden mir an Dir sehr schwer. Dein Streben zu wachsen im Geiste ist gleich Null. Glaube mir, daß Du Deine jetzige Art Dich zu verhalten und zu gebaren einst noch bitter bereuen wirst.“

Peter aber, anstatt den Vorsatz zu hören und zu gehorchen zu fassen, überließ sich auch fernerhin in der Schule dem Drange zu träumen, zu brüten und zu tändeln. Und so wurde nach und nach aus ihm ein liederlicher Mensch, den endlich seine Leidenschaft zu faulenzen und Karte zu spielen an den Bettelstab brachte.

81. Weihnacht.

(Eine Beifügung vor, eine nach dem Subjecte.)

Das schönste Fest der Kinderwelt war da. Die heilige Nacht der Geburt Christi breitete ihre Flügel über die Stadt. Sämmtliche Glocken des Domes hallten über die Dächer dahin.

Die feierliche Harmonie des Geläutes klang wie ein Gruß aus Himmelshöhe.

Auf den Straßen wogte noch lange der bunte Strom des Volkes. Die betreßten Diener der Paläste eilten mit Packeten dahin. Die breiten Rücken der Dienstmänner waren vielfach mit Körben belastet. Die zerlumpten Kinder der Armuth boten ihre Pflaumenmänner feil. Bepackte Bewohner des Landes zogen zu den Thoren hinaus. Dort huschte wol auch bereits ein vermummter Knecht Ruprecht in ein Haus hinein. Aus den Bäckerläden stieg der bezaubernde Duft der Weihnachtsstollen.

Die zierlichen Rouleaux der Salonfenster sind heute nicht heruntergelassen. Bald strahlt hinter ihnen der helle Lichtglanz des Christbaums. Bis auf die Straße herab schallt der jauchzende Jubel der Kinder. Ihre Hoffnung auf die Christbescherung ist glänzend erfüllt. Eine reiche Menge von Geschenken liegt vor ihnen ausgebreitet. Die lockenden Titel der Geschichtenbücher lachen in die Augen. Das liebe Klappern der Nüsse schlägt an die Ohren. Das tiefe Roth der Aepfel reizt die Gaumen.

Aber nicht blos in den Palästen entzückt die holde Pracht der Christfestkerzen. Auch das niedere Stübchen der Souterrainbewohner dort erleuchtet ein Weihnachtslicht. Die freundlichen Gaben des Christkindes liegen hier freilich nur spärlich zuertheilt. Der zu spendende Dank der Kinder bleibt indeß auch für das Wenige nicht aus.