Den geologischen Bau der Insel habe ich nur in den Gegenden kennen gelernt, welche dem Strande am nächsten liegen und welche ich bis zu 5 engl. Meilen Abstand von der Küste nach West- und Nord-West durchkreuzt habe. In diesen flachhügligen Gegenden der Insel habe ich nur sedimentäre, unter verschiedenen Winkeln, oft steil, einfallende Schichten gefunden, nämlich von Mergeln, von Thon, von Sandsteinen und auch von gröbern Conglomeraten. Vorherrschend ist hier ein fester, meistens feiner, quarziger, weißer, zuweilen auch rother, nämlich durch Eisenoxyd gefärbter und verkitteter Sandstein, aus dem auch hauptsächlich der Government-hill hinter der Stadt besteht. Zwischen solchen Schichten kommen häufig sehr mächtige Lagen von Thoneisenstein vor, der unter andern auf der Nordseite des genannten Berges in Tagebau gebrochen und in Stückchen zerschlagen zur Belegung und Ausbesserung der Wege benutzt wird. Nachdem er auf diesen Wegen allmählig fein gestampft und gefahren ist, wird er zu einer ziemlich festen, harten Masse. – Der Boden in der kleinen Bucht, die sich südwärts vom genannten Berge in's Land hineinzieht, und die zwischen sumpfigen Ufern der Fluß durchströmt, ist Alluvialgrund. – Nach Colebrooke sollen diese Schichten einer Secundärformation angehören. Er theilt keine Versteinerungen daraus mit. Ich habe zwar auch keine darin finden können, da aber die sedimentären Bildungen, die ich auf Sumatra (in den Batta-Landen, also ziemlich in derselben Breite mit Singapur) kenne, eben so wie die kohlenhaltenden auf Borneo tertiäre sind und da die große neptunische Formation auf Java, aus der ich viele Hunderte versteinerte Conchylien und andere Thiere gesammelt habe,[7] ebenfalls eine tertiäre ist, so habe ich Ursache zu vermuthen, daß auch die Gesteinschichten von Singapur und dessen nachbarlichen Inseln keinem ältern, als dem Tertiärgebirge angehören, zumal da sie in petrographischer Hinsicht der java'schen Formation in manchen Gegenden vollkommen gleichen. – Es scheint, daß ältere als tertiäre Gebirgsformationen erst weiter in Norden (in der malaischen Halbinsel und in Britisch Indien) vorkommen, wo auch größere Massen von Granit- und Syenitgebirgen auftreten, welche auf Java nur in vereinzelten und sehr beschränkten Punkten (der obersten Spitze von Gängen) bis zur jetzigen Oberfläche des Landes gelangt sind.

Wer etwas mehr über Singapur zu wissen wünscht, der lese außer vielen Aufsätzen verschiedener Art im Singapore Chronicle und der Hist. of the Indian Archip. von J. Crawfurd, dessen Descr. and History of Singapore, in seinem Journal of an Embassy to the Courts of Siam and Cochinchina, 1828, Ch. XIV, p. 529 etc. –, dann (über die Naturbeschaffenheit überhaupt) G. Finlayson, Journal of the Mission to Siam and Hué, London 1826, 8, p. 78 etc. –, und (über die geologische Beschaffenheit in's Besondre) H. T. Colebrooke, Notice respecting the Rocks of the Island of Penang and Singapore, in den Transact. of the Geol. Soc. Sec. Ser. 1822, 4. vol. I, p. 165 etc. – Auch kommen in den Transact. of the Royal Asiatic Society, z. B. im Anhang zu vol. I, Nachrichten über das Klima vor. – Ferner Newbold, Political and statistical account of the British settlements in the straits of Malacca 1839. – Nach dem Singapore Chronicle betrug die Population in 1841: 35,400 Seelen, wovon die Hälfte Chinesen waren.

Nachdem ich meine Bagage schon am Morgen früh auf die Braganza befördert hatte, begab ich mich am 9ten Sept. um die Mittagsstunde selbst an Bord dieses Dampfers und verließ Singapur mit der Überzeugung, daß es sowohl in Schönheit der Natur, als in Größe und Pracht der Menschenwerke eben so weit hinter Batavia zurücksteht, als es von letztgenannter Stadt an Regsamkeit menschlichen Verkehrs und Treibens übertroffen wird. Nur die häufige Ankunft von Dampfschiffen, seitdem die Landpost besteht und die Druckpresse mögen hiervon eine Ausnahme machen. Doch war der Eindruck, den das freundliche Städtchen in mir hinterließ, ein recht angenehmer, – auch hatte ich von verschiedenen Kaufleuten, besonders von Herrn Rautenberg daselbst, eine sehr hülfreiche, gefällige Behandlung genossen und es war mit einem Gefühle aufrichtiger Erkenntlichkeit, als ich meinen neuen Freunden Lebewohl! sagte.

An Bord des Schiffes bekümmerte sich um mich eben so wenig Jemand, als dies in der Stadt Singapur oder im Hotel bei meiner Ankunft daselbst der Fall gewesen war, – keinem Menschen fiel es ein, nach meinem Paß oder nach meinem Namen zu fragen, – diese Waare galt hier nicht, – ein Jeder war scheinbar vollkommen frei; – die Matrosen packten meine Kisten auf, ohne erst zu fragen: von wem – von wo – oder wohin? – sie warfen dieselben ohne Weiteres in den Schiffsraum und erst als das Schiff schon in Bewegung und auf der Abreise begriffen war, wurden den Passagieren ihre Hütten (Cabin's[8]) angewiesen und ihnen die Quittungen für die zu Singapur (im Landmail-office) bezahlten Passagegelder abgefordert. Also – Geld allein war hier ein gültiger Paß. – Ein andres Dampfschiff, dessen Verdeck vollgepfropft von Menschen war, kam eben an, fast in demselben Augenblicke, als wir die Rhede (es war um 2¼ Uhr) verließen. Die Kühle der See und der Luftzug, dem wir durch das schnelle Dahingleiten unseres Kieles durch die Wogen bloßgestellt waren, that uns wohl, denn die Sonne brannte warm und es war heiteres Wetter, eben solches, als an allen vorigen Tagen meines Aufenthaltes zu Singapur geherrscht hatte. Nur den 6ten Sept. von 4 Uhr des Morgens an hatte ein stürmischer West-Süd-Westwind geweht, welcher Regengestöber vor sich hertrieb, sich aber schon um die Mittagsstunde wieder legte.

Ich warf noch einen letzten Blick auf die freundliche Stadt, die perspectivisch kleiner wurde, – ich dachte an die Veränderungen in der Schifffahrt seit der Zeit, als im Jahre 1160 unter Turi Buwana die Insel Singapur zuerst bevölkert wurde, und – ließ mich dahin führen durch den, nur von unsern Schiffsrädern bewegten Spiegel der See, dessen weite Flächen mit ihren Inseln für mich (und vielleicht auch noch für Andre) eine terra incognita waren.

Einschaltung.

Ehe ich weiter erzähle, will ich hier eine Übersicht der Passagekosten für die Reise mit der englischen Landmail in 1848 folgen lassen, die vielleicht manchem Leser erwünscht ist. – Von Batavia bis Singapur kann man nur gelegentlich mit einem Segelschiff gelangen oder durch Begünstigung des Kommandanten der Indischen Seemacht mit einem Kriegsdampfer der Kolonialen (Nêêrlandsch-Indischen) Marine, der zwischen dem 26sten und 28sten eines jeden Monats zur Überbringung und Abholung der Packete für die Landmail die Reise nach Singapur und zurück macht. Natürlich wird auf Kriegsschiffen keine Passage bezahlt. Auch kann man nur durch Begünstigung der Offiziere Platz nehmen an deren Tafel, wofür der Begünstigte 5 Fl. per Tag in die Menagekasse einzahlt. Die Reise nach Singapur dauert gewöhnlich 4 Tage.

Wenn man von Singapur direkt nach England (Southampton) Passage nimmt, so werden 71 Pfund, nämlich die Hälfte der ganzen Fracht vorausbezahlt. Will man sich nicht bis England verbinden, so ist der Frachtpreis höher und kann nur bis Suez und von dort wieder bis Alexandrien bezahlt werden. – Nach dem Tarif sind 300 Pf. Bagage frei, von welcher kein Stück schwerer als 80 Pf. sein darf, jede 100 Pf. mehr sollen mit 3 Pf. St. bezahlt werden; ich habe jedoch nicht gesehen, daß Kisten der Passagiere jemals gewogen wurden und ich hatte mehr als 500 Pf. bei mir, ohne daß sich Jemand darum bekümmerte.

Was das coursive Geld betrifft, so waren damals auf Batavia silberne Gulden nicht zu bekommen und die Recepisse waren außerhalb Java nicht gewillt. Guineen (Sovereing's) waren auch nicht oder nur sehr wenige zu haben. Deßhalb hatte ich zu Batavia Willem's d'or eingekauft, das Stück für 12½ Gulden Recepis und Dukaten, das Stück für 7 Guld. Recepis. – Dieses holländische Goldgeld (sonst auf der ganzen Reise für den vollen europäischen Werth beliebt,) wurde aber am Landmail-office zu Singapur nicht angenommen und mußte bei Chinesen umgewechselt werden, der Dukaten für 2,25 und der Willem's d'or für 3,80 Dollar.

Reise.
(Unter Passage wird auch jederzeit die Beköstigung mit verstanden, sowohl an Bord der Seeschiffe als durch die Wüste und an Bord der Flußdampfschiffe auf dem Nil.)
Passagekosten
für Passagiere erster Klasse.
Pound Sterling.Dollars.In holl. silb. Fl. nach europ. Cours
Von Singapur bis England (Southampton) die Reise durch Egypten mitgerechnet142681,601704
Von Singapur bis Suez105
en 8 Sh.
506,001260
Von Suez bis Alexandrien. (Man kann nach Belieben in Cairo bleiben und die Ankunft einer folgenden oder nachfolgenden Mail abwarten; das bezahlte Passagebillet bis Alexandrien bleibt so lange gültig.)1257,60144
Von Alexandrien bis Triest (wo 1848 keine Quarantaine gehalten wurde. Mit österreich. Lloyd'sdampfern)1886,40216
Von Alexandrien bis Marseille (wo zehn Tage Quarantaine gehalten wurde) 580 Francs23
en 4 Sh.
111,00249
Von Alexandrien bis Southampton,(wo keine Quarant. gehalten wurde)40192,00480
Also von Singapur bis Triest 1620