Weil die Matrosen gleich vom Augenblick unsrer Ankunft an auf der Rhede beschäftigt waren, einen neuen Vorrath von Steinkohlen einzunehmen, die in schon bereit liegenden Prauen von Penang angebracht wurden, so war das Schiff die ganze Nacht hindurch so voll Lärm und voll Thätigkeit, daß die Erscheinung jenes einschläfernden Magnetiseurs, der kein Geräusch liebt, bis spät in den Morgen von unserm Lager abgehalten wurde.

Die Sonne war daher schon längst aufgegangen, als ich am 12ten Sept. erwachte und – neugierig auf das Verdeck eilte. Aber die Überraschung war desto größer.

Da lachte mir unerwartet der allerfreundlichste Anblick eines schönen Städtchens entgegen, das westwärts vom Schiff in frappanter Nähe vor mir lag. Buschiges Grün um- und überschattete seine Gebäude und der bunte Farbenschmelz der Häuser, hellerleuchtet von der Sonne, malte sich in schroffem Contraste ab auf dem dunklen Hintergrunde des Waldgebirges, das zu einer imposanten Höhe emporstieg. – Es war seit meiner Abreise von Java das Erstemal wieder, daß ich eine gebirgig-großartige und zugleich schöne Natur in der Nähe erblickte.

Der unterste Streifen des Landes war ein kahler Sandstrand von heller, bräunlich-grauer Farbe, – dieser erhob sich zu einer etwa 10 Fuß hohen Fläche, auf welcher man rechts das Fort und links die hellfarbigen Gebäude der Stadt erblickte, die sich ungleich bebuschter, grüner, von viel zahlreichern Fruchtbäumen und Gruppen von Kokospalmen beschattet, als die von Singapur, darthaten.

Und jenseits der Stadt sah man gegen das steile Gehänge der Gebirgskette an, die Penang von Süd nach Nord durchzieht und die fast den ganzen Körper der Insel bildet. Da wir die schmale Zwischenfläche nicht sehen konnten, so schien es, als erhöbe sie sich unmittelbar hinter der Stadt. Ihre waldig-düstre Front stellte sich den Blicken in ihrer ganzen Ausdehnung dar und man konnte deutlich die Schlangenlinien von zwei Wegen unterscheiden, die an ihr hinanführten. Der nördlicher liegende dieser Wege endete etwa in der halben Höhe der Wand an einem kleinen Gebäude, das den Gipfel eines Vorberges oder einer vorspringenden Rippe bedeckte, und das, an seiner weißen Farbe auf dem dunklen Waldesteppich deutlich erkennbar, wie ein kleines Schloß von seiner Höh' herabschaute; – der zweite Weg schlängelte sich in der Richtung hinter der Stadt hinan und konnte mit den Augen verfolgt werden bis dicht unter den höchsten Saum des Gebirges, wo man auf einem Vorsprunge ein Häuschen erblickte. Über diesem Häuschen sah man auf dem höchsten Saume (der Firste der Kette) selbst zwischen noch mehren Gebäuden den Telegraph und die Stange mit der britischen Flagge, welche hier 2000 Fuß hoch, und weit hinaus in's Meer nach Ost und West sichtbar, in den Lüften flatterte.

Von dieser Höhe herab, die von allen Seiten frei und nirgends von einer andern dominirt ist, muß die Aussicht über das Gebirge, die Stadt und die ganze Insel hinweg, bis weit in die malai'sche Halbinsel hinein, oder in die Malakastraße hinaus, großartig sein.

Aber auch von unten erblickt, mit Augen, die hinauf sehen, gewähren diese luftig-hohen Menschensitze einen romantischen, schönen Anblick. – Wenn ich die Physiognomie eines Flachlandes oder niedrigen Hügellandes mit: – „unbefriedigend, endlos, nirgends fesselnd, wegschmelzend, – Gemüthabstumpfend“, – bezeichnen möchte, so sind dagegen: – „erhaben, anziehend, aufmunternd, Hoffnungerweckend und doch auch wieder Sehnsuchtstillend, beruhigend, – heimisch“ – die Worte, die einigermaßen den Eindruck schildern, den jede große Gebirgsnatur (wenigstens in mir) hervorruft. Dies war auch hier der Fall, mein Auge wandte sich ungern vom Panorama ab und ich fühlte gewissermaßen: „nur im Hochgebirge kann ich glücklich sein.“

Obgleich ich den obersten Kamm der Bergkette von Pulu Penang, die nur einfach ist,[12] mehrmals mit Wolken umhüllt sah, so konnte ich seine Höhe doch nicht für mehr als 2000 par. Fuß halten, weil auf dem höchsten Punkte neben den Gebäuden noch Kokospalmen wuchsen, die man von der Rhede aus eben so deutlich zu erkennen vermochte, wie die einzelnen Wölbungen der Waldbäume auf der Firste überhaupt, – und weil es bekannt ist, daß sich rund um die Gipfel von Bergen, welche isolirt im Meere liegen und mit Waldung bedeckt sind, schon in geringerer Höhe Niederschläge bilden und Wolken bilden. Die große Steilheit des Gehänges aber, bei großer Schmalheit der Küstenfläche, (der bedeutende Gesichtswinkel, unter dem sich der Kamm des Gebirges darstellt,) ist Ursache, daß man den Bergsaum für höher und entfernter hält.

Außer einigen hellgrünen, wahrscheinlich bebauten Flecken, durch die der bräunliche Boden hindurchschimmerte, nämlich da, wo die Waldung gefällt war, – außer noch einigen andern, bräunlich-hellen Streifen, die man in den Klüften, Bachrinnen, besonders des nördlichen Theils der Kette bemerkte, und die wahrscheinlich von stattgehabten Bergschlipfen verursacht waren, – und außer dem langen, schmalen Strahle eines Wasserfalles (Gießbaches) in derselben Gegend, war das dunkle Waldgrün der Hauptkette nirgends unterbrochen.

So war die Aussicht, die sich uns von unserm Schiffe aus auf der Westseite darbot. Wir lagen der Insel am nächsten und zählten noch 20 größere und etwa eben so viel kleinere Schiffe, die weiter ostwärts auf der Rhede zerstreut lagen.